Bergwandern am Wochenende – Kann das Arbeit sein?

Sich Wohlfühlen. Bei der Arbeit. Das klingt super. Und seit ein paar Jahren gibt es in immer mehr Unternehmen in Deutschland sogar jemanden, dessen Hauptaufgabe das ist: der Feel Good Manager. Der Feel Good Manager kümmert sich darum, dass alle Mitarbeiter gern zur Arbeit kommen. Und es ihnen dabei gut geht. Klingt nach einem tollen Job. Thorsten Walter (34)* macht das bei einem IT-Unternehmen in München. Wie schaut seine Arbeitswoche denn so aus? In Teil 3 unserer JOBlog-Serie „Was macht eigentlich…?“ stellen wir den außergewöhnlichen Beruf vor.

 

Was macht ein Feel Good Manager

Montag

In die Woche startet Thorsten damit, dass er seinen Praktikanten die Obstschalen in den Teeküchen auffüllen lässt. Gutes Essen ist ein wichtiger Wohlfühlfaktor. Daher kümmert er sich auch gerade darum, dass zwei Mal pro Woche ein Bio-Sandwich-Lieferservice den Mitarbeitern Leckeres und Gesundes zum Mittagessen anbietet. Und wenn man den ganzen Tag bei der Arbeit sitzt, sollte man sich zwischendurch auch mal bewegen. Montags hat Thorsten für die Laufbegeisterten in der Mittagspause einen regelmäßigen Jogging-Treff auf die Beine gestellt. Und für die Badminton-Begeisterten hat er jeden Mittwochabend eine Halle klar gemacht.

Dienstag

Heute versucht Thorsten ein paar Projekte voranzubringen, die ihm besonders sinnvoll erscheinen: Seit ein paar Wochen steht er in Verhandlung mit einer Kinderbetreuung. Dort sollen die Kolleginnen und Kollegen ihre Kinder unterbringen können. Und zwar so, dass sie auch mal – wenn nötig – eine Stunde länger arbeiten können und nicht immer gleich loshetzen müssen. Dann gibt es noch den Vorschlag von Sarah aus dem Marketing: Jeden Monat einen Überraschungsfilmabend zu veranstalten. Dafür muss er der internen IT noch deren neuen Riesen-Flat abschwatzen.

Mittwoch

Monatsbeginn. Vier neue Kollegen fangen heute an. Die sollen sich gleich gut aufgehoben fühlen. Daher gibt’s erst mal eine Rundtour mit den Neuen durch alle Büros. Und für den Abend hat Thorsten mit ein paar Kollegen aus den Teams der Neuen einen gemeinsamen Besuch in der Kneipe um die Ecke arrangiert. Damit man sich gleich besser kennenlernt. Ach ja, einer von den Startern kommt nicht aus München und wohnt noch im Hotel. Dem will er bei der Suche nach einem WG-Zimmer helfen.

Donnerstag

Heute hat Thorsten „Sprechstunde”. Aber er ist ja kein Arzt. Also heißt das bei ihm „Open Ear Hour“. Da können die Kollegen bei ihm vorbeikommen und Problemchen besprechen, Ideen vorschlagen und Verbesserungen für ihre Arbeitsbereiche anmahnen. Er nimmt die Infos mit und gibt sie weiter an die Personalabteilung, ans Management oder an die zuständige Person. 

Freitag

Freitags hat Thorsten immer seine halbe Stunde mit dem Gründer und Geschäftsführer des IT-Unternehmens. Ihm ist der Feel Good Manager sehr wichtig. Er hat nämlich irgendwann gemerkt, dass er über die Jahre nicht mehr den unmittelbaren Kontakt zu seinen Mitarbeitern halten konnte wie zu Beginn. Dafür ist das Unternehmen einfach zu schnell gewachsen. Jetzt hat er mit Thorsten einen, der wieder ganz nah dran ist an den Mitarbeitern. Und so bekommt er relativ ungefiltert mit, was die Belegschaft gerade so umtreibt.

Wochenende

Diesmal ist für Thorsten am Freitag noch nicht Schluss. Am Wochenende findet endlich der Trekking-Ausflug mit Übernachtung auf der Hütte statt. Das hat er vor drei Monaten angestoßen. Toll, dass 25 Leute mitkommen. Da können sich mal wieder Kollegen, die sonst nicht so viel miteinander zu tun haben, austauschen.

Feel Good Manager wie Thorsten Walter gibt es momentan hauptsächlich in Start-Up und IT-Unternehmen. Die Firmen versprechen sich natürlich was davon, wenn sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Gerade in Branchen wie der IT, ist der Wohlfühlfaktor bei der Arbeit für den einen oder anderen Bewerber ausschlaggebend bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber. Und die Mitarbeiter, die erstmal da sind, wollen auch nicht mehr so schnell wieder weg, wenn es ihnen gut geht. Darüber hinaus kümmert sich der Feel Good Manager auch darum, dass die Mitarbeiter die häufig beschworene Unternehmenskultur auch erleben können. Und sie so immer wieder neu am Leben gehalten wird.

*Bei Thorsten Walter handelt es sich um eine fiktive Person.