Blick über die Grenze – Teil 2: Zeitarbeit in Großbritannien

Großbritannien war das erste Land in Europa, in dem Zeitarbeit eingeführt wurde: 1956 eröffnete die ManpowerGroup ihre Niederlassung in London. Frankreich folgte nur ein Jahr später.

London

Bis heute spielt Zeitarbeit im Vereinigten Königreich eine bedeutende Rolle. 2011 wurde der Anteil der Zeitarbeiter dort auf über vier Prozent geschätzt – der Spitzenwert in Europa. Medienberichten zufolge ist die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Großbritannien auch seitdem noch weiter gestiegen. Der Evening Standard spricht von 1,6 Millionen Zeitarbeitern Ende 2012. Der Guardian berichtete außerdem, dass 2013 jeder dritte Arbeitnehmer, der den Arbeitsmarkt zum ersten Mal betritt, als Zeitarbeiter beschäftigt war.

 

Das Land hat seit 2008 mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, 2012 drohte eine erneute Rezession. Erst seit 2013 geht es langsam wieder aufwärts. Flexible Personallösungen haben ihren Teil dazu beigetragen, dass der Arbeitsmarkt die Krise dort überstanden hat. Seit 2011 ist der Anteil der Zeitarbeitsstellen um rund 14 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Zahl offener Stellen insgesamt wuchs im selben Zeitraum um 2,5 Prozent. In den Monaten Februar bis April 2014 waren fast 1,7 Millionen Briten Zeitarbeitnehmer, noch einmal rund 100.000 mehr als 2012.Das zeigt den massiven Trend in Richtung flexibler Beschäftigung in Großbritannien. Unternehmen erhielten damit deutlich mehr Anreize für Investitionen.

 

Andere Zeitarbeitsregeln als in Deutschland

 

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Zeitarbeit in Großbritannien unterscheiden sich von denen in Deutschland und Frankreich. Insgesamt ist die Branche dort weniger reguliert, die Situation daher etwas komplizierter. Beispielsweise gibt es keine Vorschrift, bei welchem Unternehmen der Zeitarbeitnehmer angestellt sein muss, ob beim Personalvermittler oder dessen Kunden. Arbeitnehmer können deshalb auch bei mehreren Zeitarbeitsfirmen unter Vertrag sein oder selbständig arbeiten. Viele Zeitarbeitnehmer werden auch im Rahmen von Dienst- und Werkverträgen beschäftigt. Aus den genannten Gründen ist die Gesamtanzahl der Zeitarbeitnehmer auch nur eingeschränkt mit der in anderen Staaten vergleichbar.

 

Equal Pay nach zwölf Wochen

 

Die Bezahlung der Zeitarbeitnehmer und die Gleichstellung mit dem Stammpersonal ist in Großbritannien geregelt. Auf einer eigenen Website fasst die britische Regierung die Rechte der Zeitarbeiter zusammen. Demnach gilt ab dem ersten Arbeitstag mindestens der nationale Mindestlohn. Der lag 2014 bei 5,13 Pfund pro Stunde für Arbeitnehmer ab 18 Jahren. Das sind umgerechnet etwa 7,17 Euro. Ab 21 Jahren verdienen Arbeitnehmer mindestens 6,50 Pfund, also rund neun Euro. Wer zwölf Wochen im selben Job und für denselben Arbeitgeber tätig ist, wird so behandelt, als wäre er direkt eingestellt worden.

 

Der dritte Teil unserer Serie „Blick über die Grenze“ wird den Blick auf Zeitarbeit in den Niederlanden richten.