Blick über die Grenze – Teil 4: Zeitarbeit in Skandinavien

Der vierte und vorerst letzte Teil unserer kleinen Blog-Serie zum Thema „Zeitarbeit im Ausland“ führt uns in Europas Norden. Wir haben uns umgeschaut, wie man in Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland mit dem Thema Arbeitnehmerüberlassung umgeht.

 

 

Bild Skandinavien

 

Zeitarbeit ist im Norden Europas geringer verbreitet als beispielsweise in den Niederlanden und Großbritannien. Dänemark gehört mit einer Zeitarbeitsquote von 0,6 Prozent zu den Ländern mit einem besonders niedrigen Anteil dieser Arbeitsform. In Finnland (1,1 Prozent),  Norwegen (1,2 Prozent) und Schweden (1,5 Prozent) ist der Anteil etwas höher. Anders als in vielen anderen Ländern gibt es zudem in Schweden besonders viele Zeitarbeitnehmer im Dienstleistungssektor. 40 Prozent der Zeitarbeitsjobs werden Finanzunternehmen und anderen Dienstleistern geschaffen. Das sind deutlich mehr als in der Industrie. In Norwegen ist dagegen jeder zweite Zeitarbeitnehmer im Bausektor beschäftigt.

 

In den „Nordics“ gilt Arbeitnehmerüberlassung als ein seriöser und etablierter Wirtschaftsfaktor. Zeitarbeit ist eine Arbeitsform wie jede andere. In Schweden und Norwegen sehen die Arbeitnehmer Zeitarbeit als nützliches Sprungbrett in dauerhafte Beschäftigung. Viele Wiedereinsteiger in Finnland sagen, sie würden ohne flexible Arbeitsmodelle nicht zurück in den Job finden, zeigt eine Studie des Weltverbandes der Personaldienstleister Ciett .

 

Zeitarbeit kaum gesetzlich reguliert

 

Der Markt für Zeitarbeit in Skandinavien gehört zu den liberalsten der Welt. Die Gründe sind der ausgeprägte Wohlfahrtsstaat und die starken Gewerkschaften in diesen Ländern. 1993 gab es in Schweden eine komplette Neuregelung, bei der nahezu alle Beschränkungen für die Zeitarbeit verschwanden. Ein Zertifizierungssystem prüft regelmäßig die Bedingungen privater Jobvermittler. Seit 2007 benötigen diese Agenturen allerdings wieder eine Erlaubnis der Behörden. Diese Maßnahme soll das Image der Branche verbessern und Kunden wie Beschäftigten ein größeres Sicherheitsgefühl vermitteln.

 

In Norwegen gibt es ebenfalls nur wenige gesetzliche Regeln zur Zeitarbeit. Das Gehalt wird vom Zeitarbeitsunternehmen als Arbeitgeber festgelegt. Zudem ist es nicht an den Lohn des Stammpersonals im Einsatzunternehmen angelehnt. Das Prinzip Freiheit gilt auch für alle anderen Arbeitsbedingungen. Aber: Die Gewerkschaften haben mit den meisten Arbeitgebern Mindestlöhne ausgehandelt.

 

Zeitarbeitnehmer in Skandinavien sind meist wie Festangestellte lückenlos beschäftigt, zeigt der Wirtschaftsbericht der CIETT, dem Weltverband der Personaldienstleister. In Schweden sind sie zudem überdurchschnittlich lange bei einem Arbeitgeber beschäftigt: 70 Prozent sind  länger als drei Monate am Stück in einem Arbeitseinsatz tätig. Weltweit sind im Durchschnitt nur 41 Prozent der Zeitarbeitnehmer länger als drei Monate bei einem Unternehmen im Einsatz.

 

Starke Sozialpartner sorgen für gerechte Bezahlung

 

Equal Pay ist in der Regel in der Praxis durchgesetzt, wenn nicht gesetzlich, dann über Tarifverträge mit Gewerkschaften. In Finnland sind Zeitarbeitnehmer und Regelarbeitnehmer gleichgestellt, auch in Sachen Entlohnung. In Schweden gibt es einen Tarifvertrag für Arbeiter. In dem ist die Gleichbezahlung von Zeitarbeitnehmern und Stammpersonal vereinbart.  Für Angestellte werden Tarifverträge branchenindividuell vereinbart. Auch in Dänemark und Norwegen übernehmen die traditionell starken Gewerkschaften die Aufgabe, den gleichen Lohn wie für die Stammbelegschaft durchzusetzen.

 

Viele weitere Informationen zur Rolle der Zeitarbeit in Europa findet man hier in einer Studie der European Confederation of Private Employment Agencies.