Blockchain: Nach welchen Experten suchen Unternehmen?

Interview mit Sonja Pierer, Geschäftsführerin Experis GmbH

IT-Fachleute mit profunden Kenntnissen im Bereich der Blockchain sind Mangelware. Doch welche Qualifikationen benötigen solche Experten überhaupt?

Die Blockchain versetzt viele Unternehmen in Goldgräberstimmung. Aber woher die notwendigen IT-Fachkräfte nehmen? Vor dieser Frage stehen derzeit viele Unternehmen. Mögliche Einsatzfelder für Blockchain-Technologie sind laut Fraunhofer-Institute für Angewandte Informationstechnik (FIT) und für Materialfluss und Logistik (IML) die Finanzbranche, der Gesundheitssektor, die Medienindustrie, das Supply-Chain-Management und in die (verarbeitende) Industrie. Die Nachfrage ist hoch, besonders nach IT-Spezialisten, die zusätzlich über Know-how auf dem Gebiet Blockchain verfügen.

Gesucht wird - fast - alles

Analysiert man die Stellenangebote auf den Portalen von Personaldienstleistern, wird schnell klar, dass Unternehmen Blockchain-Experten aller Art suchen: Software-Entwickler und Blockchain Engineers, Entwickler, Programmierer, Product Owner, Projektmanager und Consultants. Welche Kenntnisse diese Fachleute mitbringen müssen, hängt von den Projekten ab, die Firmen umsetzen wollen. Bei Blockchain-Entwicklern sind beispielsweise Fachleute gefragt, die über Kenntnisse in bekannten Programmiersprachen wie JavaScript und Python verfügen.


Zudem sollten IT-Kräfte und Programmierer Blockchain-Entwicklungswerkzeuge beherrschen, etwa interaktive Konsolen wie die Go Ethereum JavaScript Console und Compiler wie Solc.


Andere Unternehmen suchen dagegen nach IT-Fachleuten, die über Know-how auf Gebieten wie Verschlüsselungstechniken, Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen verfügen - je nachdem, zu welchem Zweck die Blockchain-Technologie eingesetzt wird. Zudem sollten Spezialisten die gängigen Blockchain-Plattformen kennen, etwa Etherum, Hyperledger Fabric und IBM Blockchain.

Aus- und Weiterbildungsangebote noch ausbaufähig

Nach unseren Erfahrungen erkennen speziell IT-Freiberufler in zunehmendem Maß, dass sich Blockchain für sie zu einem vielversprechenden Betätigungsfeld entwickeln kann. Dies vor dem Hintergrund, dass Unternehmen und Organisationen den Mangel an internen IT-Spezialisten zunehmend mithilfe von Freiberuflern kompensieren. Die Zahl von IT-Freelancern mit Know-how auf dem Gebiet der Blockchain ist jedoch gering. Daher bietet es sich für solche Fachleute an, eine entsprechende Zusatzqualifikation zu erwerben.

Aus- oder weiterbilden - aber wo?

Allerdings ist in Deutschland das Angebot im Bereich Aus- und Weiterbildung rund um die Blockchain-Technologie noch "übersichtlich". Wer einen Master im Fach "Blockchain & Distributed Ledger Technologies" erwerben möchte, kann auf das Angebot der Hochschule Mittweida zurückgreifen. Den Studiengang hat das Institut im Herbst 2018 eingerichtet. Allerdings dürfte ein solches Studium wegen des hohen Zeitaufwandes nur für wenige "gestandene" IT-Fachkräfte in Betracht kommen. Das gilt insbesondere für IT-Spezialisten, die eine solche Ausbildung parallel zu ihrer beruflichen Tätigkeit absolvieren müssten. Eine Alternative sind Weiterbildungskurse, wie sie beispielsweise die Frankfurt School of Finance & Management anbietet. Sie spricht damit auch IT-Spezialisten an, die ihr Wissen erweitern möchten, etwa auf Gebieten wie der Implementierung und Absicherung von Blockchain-Umgebungen.

Der Großteil der Weiterbildungsangebote entfällt derzeit auf Online-Kurse und Tages- beziehungsweise Wochen-Seminare, etwa von Fast Lane, der Bitkom Akademie oder der Fraunhofer Academy. Speziell für IT-Fachleute ist das Angebot in Deutschland allerdings noch nicht so umfangreich wie etwa in den USA.

Trotzdem lohnt sich der Aufwand, geeignete Fortbildungen zu suchen und umzusetzen, denn der Bedarf an Blockchain-Experten wird auch in naher Zukunft noch hoch sein.