Cultural Fit: Warum auch im Arbeitsleben die Chemie stimmen muss

Wie gut passt die Unternehmensphilosophie Ihres (zukünftigen) Arbeitgebers zu Ihnen – und wie gut passen Sie ins Unternehmen? Diese Übereinstimmung wird mit „Cultural Fit“ umschrieben. Denn trotz jahrelanger Berufserfahrung und ausgewiesener Expertise kann es vorkommen, dass sich ein Unternehmen gegen Sie und für einen weniger qualifizierten Mitbewerber entscheidet – weil die Chemie nicht stimmt oder Sie nicht zur Unternehmenskultur passen. Warum aber ist die kulturelle Übereinstimmung heutzutage so wichtig? 

Cultural Fit, Unternehmenskultur

Was ist der „Cultural Fit“?

In erster Linie geht es beim „Cultural Fit“ um einen Abgleich der verschiedenen Werte- und Normvorstellungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beziehungsweise Bewerber. Die fachlichen Kompetenzen und harten Fakten, die sich beispielsweise aus dem Lebenslauf entnehmen lassen, sind beim „Cultural Fit“ daher zweitrangig. Studien belegen, dass die Unternehmensphilosophie in den vergangenen Jahren im Recruiting immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. In Vorstellungsgesprächen versuchen die Personalverantwortlichen mit bestimmten Fragen die kulturelle Passgenauigkeit der Bewerber einzuschätzen. Diese richten sich zum Beispiel nach persönlichen Definitionen, etwa von beruflichem Erfolg oder dem idealen Arbeitsumfeld. Auch als Bewerber sollten Sie genaue Nachfragen zur Unternehmenskultur stellen. Bevorzugen Sie flache Hierarchien, offene und direkte Kommunikation, teamorientiertes Arbeiten – oder möchten Sie von Chefs gesiezt werden und klaren Regeln folgen? Vergleichen Sie Ihre Auffassungen mit denen des Unternehmens, damit Sie genau wissen, worauf Sie sich einlassen.

Das „Winter-Gram“ der ManpowerGroup

Mit einer eigenen Unternehmensphilosophie schärfen Unternehmen ihr Profil und grenzen sich so von konkurrierenden Firmen ab. Die Philosophie ist das Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens. Bis heute prägt ein Telegramm (umgangssprachlich kurz „Gram“) des Firmengründers der ManpowerGroup, Elmar L. Winter, die täglichen Abläufe des Unternehmens. Winter schrieb 1969: „Es ist unsere Mission, Menschen und Arbeit, Talente und Bedarf bei Unternehmen zu verbinden. Dadurch ermöglichen wir unseren Kunden, in der sich schnell verändernden Welt der Arbeit, erfolgreich zu sein.“ Seine Nachricht ging als „Winter-Gram“ in die Geschichte des Unternehmens ein und die dahinterstehende Philosophie hat bis heute Bestand.

Handlungsbedarf in der IT-Branche

Eine hohe Identifikation mit den Grundwerten des Unternehmens steigert die Zufriedenheit und das Wohlfühlbefinden der Mitarbeiter. Damit verbessern sich auch das Arbeitsklima und die Leistungsbereitschaft und verhindern eine hohe Fluktuation im Team. Insbesondere in Branchen, in denen zurzeit akuter Fachkräftemangel besteht, ist der „Cultural Fit“ wichtig. Das gilt aktuell zum Beispiel in der IT-Branche. Laut der „360ᴼ Cultural Fit-Studie für die IT-Branche“ der SAP-Personalberatung Hype sind 95 Prozent der befragten IT-Experten zu einem Jobwechsel bereit, wenn die Unternehmenskultur nicht passt. Bemerkenswert ist zudem, dass IT-Arbeitgeber und -Recruiter standardisierte Verfahren zur Erfassung des „Cultural Fit“ größtenteils ablehnen, obwohl sie vom Mehrwert der kulturellen Übereinstimmung überzeugt sind. Im wirksamen, kulturbasierten Recruiting besteht in der IT-Branche demzufolge noch Handlungsbedarf.
  

Verfahren zur „Cultural Fit“-Messung

Dabei gibt es bereits verschiedene Tools, die die Entscheidungsfindung im „Cultural Fit“-Recruiting vereinfachen sollen. Die Unternehmensberatung meta HR bietet mit dem „Cultural Fit Evalueator“ eine Software, die Unternehmen auf ihrer Karriere-Website implementieren können. Dort analysieren Bewerber, wie gut ihre arbeitskulturellen Vorstellungen mit denen des Unternehmens übereinstimmen. Die Ergebnisse stehen dem Unternehmen sowie dem Kandidaten gleichermaßen zur Verfügung. Über die Website CompanyMatch, auf der auch die ManpowerGroup aktiv ist, können Bewerber ihre Wertevorstellungen gleich mit mehreren Unternehmen abgleichen. Auch hier kommen verschiedene Tests zum Einsatz. Im Falle einer Übereinstimmung, kann der Bewerber seine Kontaktdaten gleich an das jeweilige Unternehmen weiterleiten. Damit wird der Recruiting-Prozess beschleunigt. Doch was glauben Sie? Passen Sie eher zu einem Unternehmen mit flachen Hierarchien oder in eine traditionelle Führungsstruktur? Liegen Ihnen feste Arbeitszeiten oder flexible kreative Arbeitsweise? Wenn Sie sich Ihre persönlichen Vorstellungen der Arbeitskultur bewusst machen, haben Sie zukünftig gute Chancen, in einem Unternehmen zu landen, in dem Sie sich auch wirklich wohl fühlen.