Daddeln im Büro? So ziehen Sie aus Ihrem Hobby wertvolle Skills für Ihre Karriere

In vielen Start-ups gehört der Tischkicker genauso zum Pflicht-Inventar wie ein mit Club-Mate-Flaschen gefüllter Kühlschrank. Im Idealfall soll eine kurze Partie am Kicker den Teamgeist stärken und für Momente der Entspannung im stressigen Arbeitsalltag sorgen. Chefs versprechen sich davon, dass Angestellte ihren Job so besser erledigen und mehr kreative Ideen haben. Tatsächlich gewinnen Menschen beim Spielen Flexibilität, um sich später in unterschiedlichen Situationen zurechtzufinden, sagt der Entwicklungspsychologe Rolf Oerter.
 

Studie weist positive Effekte von Videospielen auf Kreativität nach

Doch nicht nur analoge Spiele wie das Kickern haben positive Effekte auf die Menschen, sondern auch digitale Spiele. Wie eine Studie zeigt, kann das Daddeln die Kreativität fördern. Die Wissenschaftler Shyam Sundar und Elizabeth Hutton von der US-amerikanischen Penn-State-Universität machten mit 98 Studenten Kreativitätstests, nachdem diese Videospiele gespielt hatten. Zudem befragten die Forscher die Probanden nach dem Spiel zu ihrer emotionalen Grundstimmung und teilten sie in vier Gruppen ein.

Das Ergebnis: Die Kreativitätswerte von glücklichen und traurigen Probanden lagen deutlich über denen der wütenden und entspannten Studienteilnehmer. Daraus folgern die Forscher, dass ein hoher oder niedriger Erregungszustand ein Schlüssel für Kreativität ist. Mittlere Werte seien hingegen nicht förderlich. „Der Schlüssel für Kreativität sind Emotionen“, sagt Sundar. „Videospiele können dabei helfen, sie zu erzeugen.“ 

Knapp jeder zweite Nutzer einer Online-Plattform hat schon am Arbeitsplatz gedaddelt

Eine andere Studie untersuchte speziell die Nutzung von Videospielen am Arbeitsplatz. Die Forscher fanden heraus, dass Spiele einen positiven Einfluss auf den Erholungsprozess haben, indem sie das Abschalten und die Entspannung erleichtern. Da Arbeit zu Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühlen führen kann, sind Videospiele ein probates Mittel, um sich von Energiemangel zu erholen.

 

Bei einer Umfrage unter den Nutzern einer deutschen Online-Spieleplattform gaben 46,6 Prozent an, schon bei der Arbeit gedaddelt zu haben. Zehn Prozent von ihnen tun das täglich, 15,5 Prozent mehrmals pro Woche, sieben Prozent einmal pro Woche, 3,6 Prozent einmal im Monat und 10,6 Prozent seltener als einmal im Monat. Die Befragten spürten eine erhebliche Erholung nachdem sie Computerspiele bei der Arbeit gespielt hatten und nutzen Spiele insbesondere nach stressigen Situationen. 

Nicht jedes Spiel trainiert die gleichen Fähigkeiten

Auf dem Computerspielemarkt gibt es inzwischen so viele Genres, dass man mit den Spielen unterschiedliche Fähigkeiten trainieren kann. So eignen sich laut der Ratgeberwebseite Karrierebibel Multiplayer-Games zum Beispiel dafür, Teamfähigkeit und Führungsstärke zu üben. Arcade-Shooter schulen hingegen Konzentrationsfähigkeit und Stressresistenz, während die Spieler bei Strategiespielen etwa lernen, Komplexität zu verringern. Selbst Ego-Shooter sind nützlich. So können Spieler mit ihnen Multitasking und das blitzschnelle Treffen von Entscheidungen trainieren.

 

Es gibt inzwischen sogar Spiele, die die Gesundheit fördern. Die Nutzer von Pokémon Go steigerten zum Beispiel laut einer Studie ihre Aktivität im Schnitt um 1473 Schritte täglich, nachdem sie mit der virtuellen Monsterjagd begonnen hatten. Im Vergleich zu vorher entspricht das einer Steigerung um 25 Prozent. Allerdings verlor das Spiel in der Regel nach sechs Wochen seinen Reiz und die Aktivität sank wieder auf den Ausgangswert.

Der Zeitaufwand für das Daddeln muss im Rahmen bleiben

Damit Angestellte von den positiven Effekten profitieren, ist es wichtig, nicht zu viel Zeit für das Daddeln am Arbeitsplatz aufzuwenden. Sonst kann das Spielen im schlimmsten Fall zu Bewegungsmangel, Suchtverhalten oder gar epileptischen Anfällen führen. Es spricht hingegen nichts dagegen, täglich zehn Minuten mit Kollegen zu spielen. Und selbst der Chef dürfte sich von dem Argument überzeugen lassen, dass die Mitarbeiter im Anschluss produktiver arbeiten können.