Ein Vorurteil bröckelt

Ein unverklärter Blick auf die Fakten hilft, sich eine fundierte Meinung über ein Thema zu bilden und verhindert, dass sich Vorurteile im Kopf einnisten. Beim Thema Zeitarbeit hält sich bei Gegnern hartnäckig die Ansicht, Zeitarbeitnehmer würden die Stammbelegschaft in Unternehmen verdrängen. Eine aktuelle Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (gefunden auf personaldienstleister.de) räumt mit diesem Vorurteil auf.

 

Statt einer Verdrängung erleben wir vielmehr eine Ergänzung herkömmlicher Beschäftigungsverhältnisse durch flexible Arbeitsmodelle. In der Zusammenfassung der Studie „Flexible Arbeitswelten“ ist zu lesen: „In Deutschland hat die Liberalisierung flexibler oder atypischer Beschäftigungsformen zu einem Zuwachs an Arbeitsplätzen beigetragen“. Die erhobenen Zahlen bestätigen die These: Der Anteil der Inaktiven unter den Erwerbsfähigen in Deutschland, sprich die strukturelle Arbeitslosigkeit, ist seit Anfang des Jahrtausends von 26 Prozent auf 19 Prozent gesunken.

 

Dass Unternehmen dabei das Plus an Flexibilität ausnutzen und klassische Vollzeitjobs durch Zeitarbeitsplätze ersetzen, ist ein Mythos. Im Gegenteil: 2006 hatten 37 Prozent der Erwerbsfähigen in Deutschland eine normale Vollzeitstelle. Bis 2012 stieg der Anteil auf 41 Prozent an. Im gleichen Zeitraum blieb der Anteil der Zeitarbeitsverträge konstant bei zwei Prozent. Verdrängung sieht anders aus.

 

Eine Studie allein reicht natürlich nicht, um eine These zu widerlegen. Dennoch: Die vorliegende Untersuchung bestätigt mit frischen Zahlen, was Vorgängerstudien in früheren Jahren ebenfalls herausgefunden haben. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (2012), das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (2013) und die Hans-Böckler-Stiftung (2007) kamen zu ähnlichen Schlussfolgerungen:  Unternehmen, die auf Zeitarbeitnehmer setzen, bauen auch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf. Substitutionseffekte als Breitenphänomen sind nicht erkennbar. Zeitarbeit hilft sogar, die Stammbelegschaft zu sichern.

 

Es gibt sie also, die positiven Effekte der Zeitarbeit für den Arbeitsmarkt. Damit diese Wirkung erhalten bleibt, wird es künftig darauf ankommen, beim Setzen von Standards und Regulierungen so vorzugehen, dass flexible Beschäftigungsverhältnisse für Unternehmen eine attraktive Ergänzung klassischer Vollzeitarbeit bleiben.