Von Python bis Kotlin: Welche Programmiersprachen 2019 besonders gefragt sind

Softwareentwickler und Programmierer haben auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor hervorragende Chancen. Allerdings gilt das vor allem für Fachleute, die besonders gefragte Programmiersprachen beherrschen. Hier eine Aufstellung der 15 Sprachen, die 2019 in der Softwareentwicklung eine zentrale Rolle spielen.

 

 

Beste Karten für IT-Fachkräfte auf Jobsuche. Das ergab eine Studie des deutschen Digitalverbandes Bitkom von Ende 2018. Demnach suchen drei von zehn Unternehmen mit mindestens einer offenen IT-Stelle Programmierer und Entwickler. Eine ähnliche Situation ist bei IT-Freelancern zu verzeichnen. Das zeigt die Studie IT-Freiberufler 2018 von IDG Research Services, die von Experis unterstützt wurde. An die 49 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass Softwareentwickler und Programmierer zu denjenigen externen IT-Fachkräften zählen, bei denen sie den größten Bedarf haben.

Doch Softwareentwicklung ist ein weites Feld, mit einer großen Palette von Programmiersprachen, Entwicklungs-Frameworks und Anwendungsfeldern. Nicht alle sind im gleichen Maß gefragt. Einen Überblick darüber, welche Sprachen gerade "in" sind, gibt beispielsweise der PYPL-Index (Popularity of Programming Language Index). Er bewertet Programmiersprachen danach, wie oft Nutzer mithilfe von Google nach Tutorials zu den einzelnen Sprachen suchen.

 

1. Python

Die erste Version von Python wurde bereits Anfang der 1990er Jahre vorgestellt. Seitdem erfreut sich die Programmiersprache nach wie vor hoher Beliebtheit. Ein Grund dafür ist ihre Universalität. Python lässt sich für eine Vielzahl von Aufgaben nutzen. Dazu zählen das Programmieren von grafischen Benutzeroberflächen, Datenbanken, Web-Applikationen und KI-Anwendungen (Künstliche Intelligenz). Der Python Package Index (PyPI), ein Repository von Python-Anwendungspaketen, umfasste Mitte März 2019 mehr als 172.000 Projekte. Ein weiterer Pluspunkt der Sprache ist, dass sie sie sich schnell erlernen lässt. Einige der größten Online-Portale wie Instagram und YouTube basieren auf Python. Im PYPL-Index belegt diese Programmiersprache mit 26,42 Prozent den ersten Rang und hat im Vergleich zum Vorjahr sogar noch um fünf Prozent zugenommen. Im Konkurrenz-Index Tiobe wurde Python zur "Programmiersprache des Jahres 2018" gewählt mit dem höchsten Anstieg innerhalb eines Jahres.

 

2. Java

Wie Python zählt auch Java zu den altgedienten Programmiersprachen. Sie wurde 1995 von Sun Microsystems entwickelt, einem Server-Hersteller, den Oracle übernahm. Und ebenso wie Python belegt Java seit rund 15 Jahren stets einen der vorderen Plätze in der Rangliste der beliebtesten Sprachen. Im PYPL-Index belegt Java den zweiten Platz (21,2 Prozent), verliert jedoch leicht zum Vorjahr und vergrößert somit seinen Abstand zu Python. Für allem in größeren Unternehmen sind Java-Applikationen weit verbreitet, etwa Web-Anwendungen. Außerdem ist Java neben Kotlin eine der beiden Programmiersprachen, die Google offiziell für sein Mobilbetriebssystem Android freigegeben hat. Mit Android Studio steht eine integrierte Entwicklungsumgebung für Softwarespezialisten zur Verfügung, die Anwendungen für Android erstellen wollen. Sie unterstützt sowohl Java als auch Kotlin (in unserer Aufstellung Nummer 15).

 

3. JavaScript

Die objektorientierte Skriptsprache JavaScript kommt vor allem beim Programmieren von Front-Ends von Web-Anwendungen zum Einsatz, beispielsweise interaktiven Web-Seiten. Das erfolgt häufig in Verbindung mit HTML und Cascading Style Sheets (CSS). Vor allem kleinere Unternehmen und Start-ups nutzen zudem NodeJS, eine Laufzeitumgebung auf Basis von JavaScript. Daher ist es für IT-Fachleute mit Schwerpunkt auf Softwareentwicklung ratsam, sich mit dieser Skriptsprache zu beschäftigen. Wer eine Karriere als Front-End-Entwickler für mobile oder Desktop-Anwendungen starten will, sollte jedoch zusätzlich Programmiersprachen aus diesem Umfeld beherrschen, etwa Java oder Swift. Im PYPL-Index Rang drei, allerdings mit weitem Abstand zu Python und Java (8,21 Prozent).

 

4. C#

Unter den Top 5 der PYPL-Liste rangiert C#, eine "Erfindung" von Microsoft. Es handelt sich um eine objektorientierte Allzweck-Programmiersprache, die Microsoft ursprünglich als Rivalen von Java positionierte. Heute wird C# vor allem beim Programmmieren von Backend-Anwendungen und Spielen verwendet, speziell im Windows-Umfeld. Allerdings verzeichneten sowohl der PYPL-Index als auch dessen Konkurrent Tiobe zuletzt eine leicht Abwärtstendenz bei der Beliebtheit dieser Programmiersprache. Dazu hat sicherlich Microsofts Ausstieg aus dem Mobilfunkmarkt (Windows Mobile, Windows Phone) beigetragen.

 

5. PHP

Nach wie vor spielt die Skriptsprache PHP eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von dynamischen Web-Anwendungen, die auf Servern implementiert werden, also im Backend. Zu den bekanntesten Web-Applikationen mit PHP-Wurzeln zählt das Content-Management-System WordPress. Ebenso wie ein beträchtlicher Teil der anderen Programmiersprachen stammt PHP aus den 1990er Jahren. Zu ihren Stärken zählt die große Zahl von Funktionsbibliotheken, die im Lauf der Zeit rund um PHP entwickelt wurden. Speziell für Web- und Anwendungsentwickler ist PHP immer noch eine gute Wahl. Zu den stärksten Konkurrenten von PHP zählen Python und JavaScript. Im PYPL-Index wird PHP im Gegensatz zu seinen Rivalen ein deutlicher Abwärtstrend prognostiziert.

 

6. C++

Fast 40 Jahre alt ist C++ bereits. Entwickelt wurde die Programmiersprache vom Informatiker Bjarne Stroustrup. Zu den Stärken zählen die hohe Flexibilität, Stabilität und Performance, außerdem der schonende Umgang mit Hardware-Ressourcen. Daher kommt C++ für ein breites Anwendungsfeld in Betracht, von Desktopanwendungen bis hin zu Applikationen, die hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit stellen. Das ist beispielsweise im Online- und Hochfrequenzhandel der Fall. Bei der Anwendungsprogrammierung sieht sich C++ mittlerweile wachsender Konkurrenz durch C# und Java ausgesetzt. Dennoch sind Entwickler mit C++-Kenntnissen immer noch gefragt, etwa bei der hardwarenahen Programmierung und der Entwicklung von Datenbanken. Im Index steht der Oldtimer relativ konstant da.

 

7. R

R kommt vor allem bei Anwendungen in den Bereichen maschinelles Lernen, Datenanalyse und Data Mining zum Einsatz. Diese Technologien sind derzeit besonders gefragt. Davon profitiert wiederum R. Mit RStudio steht für die Sprache eine integrierte Entwicklungsumgebung zur Verfügung. Zu den Konkurrenten von R gehören SPSS, Stata und SAS. Die Weiterentwicklung von R wird von der R Foundation koordiniert. Interessenten stehen vorkompilierte Pakete von R für Unix, Windows und macOS zur Verfügung. Im Ranking von PYPL bleibt diese Sprache stabil unter den Top 10.

 

8. Objective-C (ObjC)

Die Grundlage von ObjC ist - wie der Name andeutet - die Programmiersprache C. Mit Objective-C steht Entwickler jedoch eine Variante zur Verfügung, die eine objektorientierte Programmierung unterstützt. Populär wurde die Sprache vor allem durch Apple. Sowohl macOS- als auch iOS-Anwendungen basieren auf ObjC. Mittlerweile bevorzugt Apple die Programmiersprache Swift, die allerdings im PYPL-Ranking noch knapp hinter ObjC steht. Dennoch erfreut sich ObjC weiterhin großer Beliebtheit. Ein Grund dafür ist, dass Object-C dieselben Compiler und die gleiche Syntax wie andere Sprachen auf Basis von C verwendet.

 

9. Swift

Swift stammt von Apple und dient dazu, Anwendungen für die Betriebssysteme iOS und macOS zu entwickeln. Trotz der starken Konkurrenz durch Android und damit durch die Programmiersprachen Java und Kotlin behauptet Swift auf der PYPL-Liste einen Platz unter den Top 10. Auch konkurrierende Indices wie Tiobe zählen Swift zu den führenden Programmiersprachen. Ein Pluspunkt ist laut Apple die hohe Geschwindigkeit von Anwendungen, die mit Swift erstellt wurden. Demnach läuft ein Suchalgorithmus 8,4 Mal schneller als mit Python 2.6 und rund drei Mal schneller als mit Objective-C. Swift ist auch für wenig Geübte leicht erlernbar. Deshalb forciert Apple Einstiegkurse, die auch Jugendlichen und Studierenden diese Programmiersprache schmackhaft machen soll.

 

10. Matlab

Vom Boom bei Big Data & Analytics sowie bei Anwendungen für die Datenanalyse profitiert Matlab ("MatrixLaboratory"). Ursprünglich stammt Matlab vom amerikanischen Unternehmen The MathWorks. Der Begriff ist sowohl eine Bezeichnung für eine kostenpflichtige Software der Firma als auch für eine skriptorientierte Programmiersprache. Einsatzgebiete sind neben der Datenanalyse das Erfassen und die Bearbeitung von Bildinformationen sowie Simulationen. Über Schnittstellen kann Matlab auch auf Code zugreifen, der mit anderen Programmiersprachen erstellt wurde, etwa C++ und Java. Für Programmierer bietet Matlab derzeit gute Chancen, einen anspruchsvollen und gut bezahlten Job zu finden.

 

11. TypeScript

TypeScript wurde 2012 von Microsoft vorgestellt und orientiert sich am Standard ECMAScript 6. Ähnlich wie JavaScript zielt TypeScript auf große, komplexe Web-Anwendungen ab. Code, der mit dieser Sprache erstellt wurde, lässt sich in JavaScript-Code umsetzen, der in allen Browsern und auf JavaScript-Engines läuft, die den Vorgaben von ECMAScript 3 und höher entsprechen. Der Unterschied: JavaScript ist eine dynamisch typisierte Skriptsprache, TypeScript dagegen statisch typisiert. Eine Typisierung stellt sicher, dass beim Programmieren Objekte richtig verwendet werden und verhindert dadurch Laufzeitfehler. TypeScript zählt zu den Programmiersprachen, die derzeit eine stark steigende Nachfrage verzeichnen. Auch PYPL sieht die Sprache am Stärksten im Aufwärtstrend, allerdings vom niedrigen Niveau mit einem Anteil von 1,61 Prozent. Zudem unterstützen immer mehr Entwicklungs-Frameworks TypeScript.

 

12. Ruby

Die erste Version von Ruby wurde 1995 vom japanischen Computerspezialisten und Programmierer Yukihiro Matsumoto freigegeben. Die objektorientierte Programmiersprache arbeitet mit dynamischen Objekten. Sie weist zwar laut dem PYPL-Popularity-Index eine absteigende Tendenz auf, zählt aber immer noch zu den 15 populärsten Sprachen. Bekannt wurde Ruby vor allem durch das Web-Framework Ruby on Rails. Zu den Stärken der Sprache zählen die einfache Handhabung und Erweiterbarkeit. Dank Ruby on Rails ist die Domäne von Ruby nach wie vor die Web-Entwicklung. Wer sich in diesem Bereich beruflich etablieren möchte, sollte daher Ruby ins Auge fassen, am besten jedoch gleich mit Ruby on Rails starten.

 

13. VBA / Visual Basic .NET

Die Skriptsprache Visual Basic for Applications setzt auf Microsoft Visual Basic auf. Der Schwerpunkt liegt auf Programmen, die als Erweiterung für Microsoft Office dienen. VBA kommt vor allem in kleineren Software-Projekten zum Einsatz. Komplexere Anwendungen lassen sich dagegen mit Visual Basic .NET erstellen. Zu den Schwerpunkten dieser VBA-Variante zählen Desktop-Applikationen im Windows-Umfeld, außerdem Web-Services. Im PYPL-Ranking wird VBA eine leicht abnehmende Bedeutung auf ohnehin geringem Niveau bescheinigt.

 

14. Scala

Die Sprache kombiniert eine objektorientierte mit einer auf Funktionen ausgerichteten Programmierung, und dies auf Basis von JVM (Java Virtual Machine). Dadurch ist es möglich, Java-Bibliotheken einzubinden. Ein Vorteil von Scala ist, dass sich Funktionen einfacher als bei anderen Sprachen parallel ausführen lassen. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Scala eine hohe Performance aufweist. Zu den wichtigsten Einsatzgebieten gehören Backend-Prozesse von komplexen Software-Umgebungen.

 

15. Kotlin

Entwickler von Apps für Android kommen nicht an Kotlin vorbei. Im Mai 2017 hat Google Kotlin, neben Java, den Status einer offiziellen Programmiersprache zuerkannt. Entwickelt wurde Kotlin von der russischen Software-Entwicklungsfirma JetBrains. Mittlerweile nutzen etliche bekannte Unternehmen Kotlin in Anwendungen, darunter Uber, Pinterest und Evernote. Ein Vorteil von Kotlin ist, dass weniger Code als bei Java erforderlich ist, um Applikationen zu schreiben. Mithilfe des Tools Kotlin/Native können Entwickler außerdem auch für iOS Apps entwerfen. Dadurch ist es möglich, in einem Zug Software für Android und Mobilgeräte von Apple zu erstellen. Kotlin liegt zwar im PYPL-Ranking nur auf Platz 15 etwa gleich auf mit Scala, ihm wird allerdings eine deutlich bessere Zukunft vorausgesagt.

 

Die Übersicht zeigt, dass klassische Programmiersprachen wie Java und Python auch heute noch eine gute Wahl sind, alleine wegen der großen Zahl von Projekten, die bereits damit umgesetzt wurden. Das heißt aber nicht, dass Softwarespezialisten nur auf Altbewährtes setzen sollten. Auch Sprachen wie Go von Google für Cloud-Anwendungen und Mozillas Rust können Fachleuten durchaus interessante Jobangebot bescheren. Online-Plattformen wie Experis helfen Freelancern und Softwarespezialisten dabei, den passenden Auftraggeber beziehungsweise eine Herausforderung zu finden.