Agile Natives - und was wir von ihnen lernen können

Die Digital Natives sind vielen bereits ein Begriff. Doch die jungen Mitarbeiter kennen sich nicht nur mit digitalen Entwicklungen, neuesten Apps und Smartphones aus. Sie denken und führen auch anders als die Chefs älterer Generationen. Agiles Arbeiten müssen sie nicht in Workshops lernen, es liegt ihnen bereits im Blut – daher werden sie auch als Agile Natives bezeichnet. Wie diese Generation tickt, was wir von ihr lernen können, aber auch wo ihre Schwächen liegen, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.

 

 

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Studie zeigt: Agile Natives führen anders

Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) haben sich speziell mit Agile Natives in Führungspositionen beschäftigt. Für die Studie „Digital Native Leader – mit Achtsamkeit und Positivität zum Erfolg" haben sie sich Erfolgsmuster und Persönlichkeit von 100 Top-Nachwuchskräften unter 30 Jahren genauer angesehen. Die Auswahl erfolgte aus einer Gruppe von weltweit 6.000 jungen Persönlichkeiten, die laut World Economic Forum Top-Talente in den Bereichen Führung und Entrepreneurship sind. Ihr Ergebnis: Die neuen Führungskräfte sind anders. Sie wollen sich weiterentwickeln und dazulernen. Ihnen fällt es nicht schwer, Verantwortung abzugeben. Besonders wichtig ist ihnen Achtsamkeit – das bedeutet die Wahrnehmung der eigenen und anderer Bedürfnisse sowie Fähigkeiten. Daraus ergibt sich eine empathische Interaktion mit ihren Mitmenschen und eine reflektierte eigene Lebensführung. Die digitalen Führungskräfte von heute sind oft behütet aufgewachsen und haben eine überaus positive Lebenseinstellung. Sie begreifen sich als ihres eigenen Glückes Schmied und denken überaus positiv. Das führt dazu, dass sie Scheitern als motivierende Herausforderung wahrnehmen und daran wachsen wollen, anstatt zu resignieren.

Junge Chefs wollen sich einfühlen statt zu befehlen

Als Führungspersonen sind die Agile Natives zumeist nicht wie die alte Garde. In der Studie heißt es, sie würden sich eher an dem von unten nach oben („bottom-up“) gedachten Führungsstil von Startups aus dem kalifornischen Silicon Valley orientieren statt an dem „top-down“ Befehlsverhalten. In der innovativen Umgebung des Silicon Valley sind Gründergeist und Offenheit für Neues präsent. Scheitern auf dem Weg zu einer Innovation wird klar als Chance zum Lernen erkannt und nicht als Schande – das bestätigen auch Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg, die mit der Stanford University kooperiert. Professorin Sabine Remdisch beschreibt in ihren Erfahrungen aus Kalifornien, dass Führung dort viel stärker auf Vertrauen aufbaut. Das liegt zum Teil an den digitalen Arbeitsstrukturen, die keine physische Nähe zwischen Chef und Mitarbeitern mehr benötigt. Kommunikation ist den Agile Natives sehr wichtig, findet allerdings auch auf anderen Ebenen statt – etwa per Videokonferenz oder über Collaboration-Tools. Die jungen Agilen arbeiten mit ihren Untergebenen auf Augenhöhe und können sich und den Mitarbeitern Schwächen und Kompetenzdefizite zugestehen. Diese Offenheit ermöglicht auch mit weniger räumlicher Nähe ein gegenseitiges Fordern und Fördern, sowie Anteilnahme und Freude auch am Erfolg des Anderen.

Neue Wege der Arbeit werden bereits beschritten. „Co-Creation“ und die Methode des „design thinking“ bedeuten, gemeinsam an Veränderungen zu arbeiten, dass Führungskräfte selber Hand anlegen und beispielsweise in der Werkstatt gemeinsam mit neuen Materialien experimentieren. Agile Natives müssen diese Methoden nicht erlernen, sie denken automatisch daran, neue Wege zu gehen und möglichst viele Mitarbeiter über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg zusammenzubringen.

 

 

Lernen von den Agilen

Sie haben einen Agile Native als Chef oder Kollegen? Dann nehmen Sie sich ein Beispiel und fördern Sie Achtsamkeit und Agilität im Unternehmen. Bemühen Sie sich, weniger von oben nach unten zu befehlen, als mehr das gemeinsame Gestalten zu verinnerlichen. Egal in welcher Hierarchieebene, Ideen dürfen und müssen geäußert werden. Gerade wenn Sie nicht zu dieser Generation gehören: Lösen Sie sich von starren, traditionellen Arbeitskulturen und lassen Sie sich von der energetischen und dynamischen jungen Führungselite mitreißen. Lernen Sie, sich schnell auf neue Einflüsse einzustellen. Partizipation und das Mitgestalten der Zukunft des Unternehmens sind wichtig, damit die Firma im digitalen Zeitalter überleben kann – das wissen die Agile Natives bereits intuitiv. Sie sind „Macher“, die Strategien nicht nur erdenken, sondern auch gleich umsetzen.

Führungsmodelle im digitalen Zeitalter benötigen laut der HTW-Studie vier Merkmale:

  • Agilität und Achtsamkeit
  • kontinuierliches Lernen
  • Empowerment, sprich: die Fähigkeit andere zu befähigen
  • Netzwerkorientierung

Veränderungen im Unternehmen anstoßen

Für Unternehmen bedeutet die Zusammenarbeit mit den jungen Führungskräften eine Veränderung. Laut HTW-Studie müssen Firmen ihre Weiterbildungsmodelle entsprechend dem Persönlichkeitsprofil der zukünftigen Führungselite umstellen. Coaching für junge Talente sollte darauf fokussieren, deren Potenzial im Bereich Offenheit und Agilität durch mehr Effizienz und die Fähigkeit zu strategischer Steuerung zu ergänzen.

Denn die Agile Natives bringen zwar viele positive Eigenschaften mit, haben aber auch ihre Schwächen. Beispielsweise fällt ihnen oftmals die Annahme von kritischem Feedback schwerer, selbst wenn sie erfahrene Führungskräfte sind. Aufgewachsen sind sie mit permanenter Erreichbarkeit und der Möglichkeit, alles zu jeder Zeit gleichzeitig machen zu können. Zusammen mit dem Einfluss der schnelllebigen digitalen Welt macht sie das zu Mitarbeitern, die sich nur schwer lange auf eine Sache konzentrieren können. Coaching und Fortbildung können ihnen weiterhelfen.

In Firmenstrukturen, in denen ihnen eine rein abarbeitende Funktion ohne Mitgestaltungsoption zugewiesen wird, verkümmern sie. Denn die stete Herausforderung ist ihr Lebenselixier. Ihr Tatendrang treibt sie auch zu andauernder persönlicher Weiterentwicklung. Auch für das „lebenslange Lernen“ müssen im Unternehmen die Voraussetzungen geschaffen werden.

Ebnen Sie den jungen Führungskräften den Weg und lassen Sie sie neue Führungsmodelle und ein „digital Mindset“ in Ihrem Unternehmen initiieren, umsetzen und vorleben.