Faire Bezahlung in der Zeitarbeit

Im November 2012 wurden zum ersten Mal so genannte Branchentarifzuschläge für Zeitarbeitnehmer eingeführt, und zwar zunächst in der Metall- und Elektroindustrie sowie der Chemieindustrie. Die entsprechenden Gewerkschaften dieser Branchen hatten sich darauf in den Verhandlungen mit den Zeitarbeitsverbänden BAP und iGZ geeinigt. Was steckt dahinter?

 

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Faire Bezahlung in der Zeitarbeit: Was verbirgt sich hinter Branchentarifzuschlägen?

Ein Artikel von Olaf Broermann

Ziel der Vereinbarung ist es, die Löhne für Zeitarbeitnehmer stufenweise an die der Stammbelegschaften anzugleichen. Konkret heißt das: Zeitarbeitnehmer erhalten Zuschläge auf ihre Tariflöhne, wenn sie für einen gewissen Mindestzeitraum beim gleichen Kundenunternehmen im Einsatz sind. In der Metallindustrie bedeutet das beispielsweise: Nach der sechsten Woche erhalten Zeitarbeitnehmer einen Zuschlag von 15 Prozent, nach dem dritten Monat 20 Prozent und so weiter – nach dem neunten Monat beträgt der Zuschlag dann 50 Prozent. Nicht betroffen von solchen Regelungen sind die Unternehmen, in denen Stammbelegschaft und Zeitarbeitnehmer ohnehin schon gleich bezahlt werden.

 

Eine ganze Reihe weiterer Branchen ist seitdem diesem Beispiel gefolgt. Anfang 2013 kamen beispielsweise die kunststoff- und die kautschukverarbeitende Industrie hinzu. Mit folgenden Gewerkschaften sind außerdem ebenfalls Zuschläge vereinbart: EVG Eisenbahn, IGM Textil/Bekleidung, IGM Holz/Kunststoff, VER.DI Papier-Pappe-Kunststoff, VER.DI Tapetenindustrie und VER.DI Druckindustrie. In jeder dieser Branchen gilt ein eigenes Stufenmodell, die schrittweise Annäherung der Entgelte haben aber alle gemeinsam. In anderen Branchen wird noch über ähnliche Beschlüsse verhandelt, so dass weitere Lohnunterschiede zukünftig ebenfalls geschlossen werden.  

 

So ist bereits ein fein austariertes Zuschlagsystem entstanden, das sich auch noch weiter entwickelt, und bei dem alle Beteiligten das Ziel verfolgen, Zeitarbeit fair zu entlohnen. Sowohl Flächentarifverträge wie Branchenzuschlagstarifverträge stellen dies sicher. Mehr zu dem Thema auch hier.

 

Dies bedeutet auch, dass eine gesetzlich vorgeschriebene Gleichbezahlung („Equal Pay“) von Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaft eher kontraproduktiv wäre. Die Einführung eines solchen Equal Pay nach neun Monaten sieht aber derzeit der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vor. Eine gesetzliche Regelung würde die oben beschriebenen Verträge hinfällig machen, die auf die jeweiligen Gegebenheiten jeder Branche zugeschnitten sind. Ein Equal-Pay-Gesetz macht deshalb nur Sinn, wenn es auch eine Öffnungsklausel für Branchenzuschlagstarifverträge enthält, diese also weiterhin gelten.