Fehlerkultur: Hoch im Trend, aber was hilft wirklich?

Werden Probleme verheimlicht, kann im ungünstigsten Fall das gesamte Unternehmen Schaden nehmen. Deswegen motivieren Vorgesetzte ihre Teams zu einem offenen Umgang mit Fehlern – und das Thema wird zunehmend beliebter. So versammeln sich beispielsweise regelmäßig rund 1.200 Menschen an der Goethe Universität in Frankfurt um auf der “Fuck Up Nights” drei bis vier Vortragenden pro Abend zu lauschen, die von Ihren größen Fuck Ups erzählen. Sachen, die sie mal so richtig in den Sand gesetzt haben.

 

Fehlerkultur, Vorgesetztenverhalten, Unternehmenskultur

Dieses Konzept adaptieren auch Unternehmen zunehmend. Das Unternehmen EOS vergibt an seine Mitarbeiter regelmäßig einen Pokal für den „Fehler des Kwartals“. Der konstruktive Umgang mit Fehlern und der Lernerfolg sollen dabei im Vordergrund stehen.

Dass Mitarbeitern Fehler passieren, lässt sich nicht vermeiden. Wie damit umgegangen wird und welche Auswirkungen diese auf das Geschäft und die Kultur haben, das können Führungskräfte und Personalverantwortliche beeinflussen. In vielen Unternehmen herrscht aber noch eine Angstatmosphäre: Fehler werden verschwiegen aus Panik vor unerwünschten Konsequenzen.

Moderne Vorgesetzte wollen einen anderen Weg ebnen. Alle Mitarbeiter sollen aus Fehlern lernen – und gleiche Fehler möglichst nicht noch einmal machen. Dazu muss Fehlertoleranz in der Unternehmenskultur fest verankert sein. Bei der ManpowerGroup werden in einzelnen Teams interne “Fuck Up Hours” veranstaltet, um eben so eine Plattform zu schaffen für den konstruktiven Fehleraustausch.

Es sei wichtig, Fehler zu erkennen und zu thematisieren, um sie in Zukunft zu vermeiden, bestätigt Sonja Pierer, Geschäftsführerin der Personalberatung Experis. „Eine Möglichkeit ist es, innerhalb eines Teams gemachte Fehler vorzustellen und zu analysieren, wie es dazu kam, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen.“

Verschiedene Fehlertypen beachten

Es gibt jedoch verschiedene Fehlertypen – und damit auch verschiedene Strategien, sie zu vermeiden: „Wenn es um Flüchtigkeitsfehler geht, die häufig auf Stress zurückzuführen sind, hilft das Vier-Augen-Prinzip am besten“, sagt Personalexpertin Pierer. „Sind es fachliche Fehler, so spielen sowohl Eignung als auch Erfahrung eine Rolle.“

Führungskräfte müssen in solchen Fällen sicherstellen, dass der Mitarbeiter die richtigen fachlichen Voraussetzungen mitbringt oder sie sich aneignet. „Dabei spielt auch Kommunikation eine sehr zentrale Rolle, um Missverständnisse und Fehleranfälligkeit im Keim zu ersticken“, so Pierer. „Der persönliche Umgang miteinander hilft enorm, Fehler zu vermeiden.“

Grundsätzlich motiviert eine offene Kultur die Mitarbeiter dazu, eigenständig Entscheidungen zu treffen. „Jeder macht Fehler und jeder hat schon Entscheidungen getroffen, die er oder sie später bereut hat“, erklärt Pierer. „Doch wenn man immer alles bis in das kleinste Detail durchdenken und abwägen möchte und eine Entscheidung dadurch hinaus zögert, schadet das womöglich mehr, als die falsche zu treffen.“ Manchmal sei eine schnelle Entscheidung wichtiger – auch wenn sie sich im Nachhinein als suboptimal entpuppt.

Deswegen der Appell an Führungskräfte: Es liegt an Ihnen eine Kultur zu etablieren, die Fehler zulässt und diese konstruktiv thematisiert. Das kann schon mit kleinen, aber konsequent durchgeführten Maßnahmen angestoßen werden, wie einer internen Fuck Up Hour. Und: Durch entgegengebrachtes Vertrauen und Wertschätzung in die Mitarbeiter.