Frei ist nicht gleich frei: 3 Fragen, die bares Geld wert sind

Es gibt viele Wege in die Selbstständigkeit. Der eine will sich einen Traum erfüllen und ohne Vorgesetzte arbeiten, der andere wird nach einem Jobverlust zwangsweise zum Unternehmer in eigener Sache. Letztlich muss bei Tätigkeit aber immer eines stimmen: Das eigene Einkommen.

 

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Das heißt: Wer selbstständig ist, muss nicht nur Experte auf seinem Fachgebiet sein, sondern auch unternehmerisches Wissen mitbringen. Das liegt nicht jedem. Viele Selbstständige merken schnell, dass es keine Serviceabteilung gibt, die Sorgen und Nöte der Kunden abfedert. Es gibt auch keine Rechtsabteilung, die automatisch alle juristischen Fragen beantwortet, und es gibt keine Personalabteilung, die sich um Weiterentwicklung und Weiterbildung kümmert. Vor allem aber ist nicht jeder Experte, der sich selbstständig macht, der geborene Verkäufer. Damit stellt sich die erste wichtige Frage, bei der es um Ihr Geld geht.

Wo kriege ich meine Aufträge her?


Partner für Selbstständige gibt es auf vielen Ebenen – vom Anwaltsbüro, das Rechtsfragen beantwortet, über den Office-Service, der den Papierkram erledigt und das Vorzimmer- Telefon übernimmt. Aber Aufträge für mich als selbstständigen IT-Berater oder Ingenieur heranschaffen – kann das bitte jemand übernehmen? Es gibt tatsächlich Unternehmen, die Experten und Unternehmen bei Bedarf zusammenbringen. Das sind zum Beispiel Service-Unternehmen wie Experis, die Experten in ausgewählten Bereichen an interessante Auftraggeber vermitteln – sei es für einzelne Projekte oder im Rahmen einer befristeten Anstellung.

Dabei ist es egal, ob die Selbstständigen erst am Anfang ihrer Karriere stehen oder sich schon als gestandene Fachleute einen Namen gemacht haben und auf eine lange Laufbahn zurückblicken können. Je nach Art der Zusammenarbeit kann eine Anstellung bei einem Dienstleister auch ein Weg sein, bei einem gleichmäßigen und sicheren Einkommen viele unterschiedliche Unternehmen und Aufgaben kennenzulernen. Die Weiterentwicklung von Experten übernimmt Experis ebenfalls, zum Beispiel mit Online-Kursen.

Wenn man die Frage geklärt hat, wo die Aufträge und das Einkommen herkommen, geht es aber ans Eingemachte. Eine Reihe von formellen Fragen sind zu klären, bei denen es ebenfalls um Ihr Geld geht. Zum Beispiel:

Bin ich eigentlich Freelancer oder Gewerbetreibender?


Die Frage klingt nach Erbsenzählerei, ist aber wichtig. IT-Berater, Ingenieure und andere hochqualifizierte Freie machen sich über die Einordnung ihrer unternehmerischen Tätigkeit oft keine Gedanken – besonders beim Berufsstart als Selbstständiger nach dem Studium. Dabei bringt die jeweilige Einordnung wichtige gewerbe- und steuerrechtliche Folgen mit sich. Die Abgrenzung, ob man Gewerbetreibender oder Freiberufler ist, ist oft schwierig, wenn es sich nicht gerade um „klassische“ freie Berufe wie Arzt, Anwalt oder Architekt handelt. Diese Experten sind keine eindeutig Gewerbetreibenden – was ihnen einige Vorteile bietet.

Freiberufler wie Ärzte oder Anwälte zahlen keine Gewerbesteuer, müssen keine doppelte Buchführung betreiben. Außerdem müssen sie nicht Zwangsmitglied in einer Industrie- und Handelskammer (IHK) werden. Und wie sieht es bei anderen Berufen aus? Ingenieure haben es in der Regel leichter, bei den Finanzämtern nicht als Gewerbetreibende eingeordnet zu werden, als zum Beispiel IT- Berater.

Wichtig ist für den Nachweis, dass man nicht zu den Gewerbetreibenden zählt, ein akademischer Abschluss oder eine höhere Bildung. Weitere Indizien können sein, dass der kreative Anteil bei der Arbeit sehr hoch ist, Zusatzausbildungen absolviert wurden, die für die Arbeit notwendig sind, ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Kunden besteht und die Bezahlung mit Honoraren erfolgt.

Wenn man diese Faktoren nachweisen kann, hat man gute Chancen, als Selbstständiger und nicht als Gewerbetreibender gezählt zu werden. Wenn Sie sich beim Finanzamt angemeldet, damit Ihren Status geklärt und eine Steuernummer erhalten haben, sollten Sie sich des lieben Geldes wegen aber noch eine Frage stellen:

Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus?


Auch die Antwort auf diese Frage kann gewaltige Auswirkungen auf den eigenen Geldbeutel haben. Seit 2009 gilt in Deutschland die Versicherungspflicht. Das heißt: Einfach gar keine Versicherung abzuschließen und das Geld für die Beiträge zu sparen, ist keine Option. Die gute Nachricht ist aber, dass Freiberufler die Wahl haben: Sie können sich bei der Krankenversicherung für die freiwillige gesetzliche oder private Krankenversicherung entscheiden. Diese Wahl hat nicht jeder Berufstätige. Es lohnt sich sehr, Kosten und Leistungen der beiden Kassensysteme zu vergleichen.

Die Beitragshöhe bei den gesetzlichen Kassen richtet sich nach dem Einkommen. Wenn es gut läuft, muss der höchste Beitragssatz bezahlt werden. Dafür sind die Beiträge niedrig, wenn wenig reinkommt. Anders bei der privaten Krankenversicherung: Hier bestimmen die Versicherer die Beitragshöhe. In der Regel locken Einsteigerschnäppchen – die Beiträge sind zu Beginn niedrig. Sie steigen aber mit zunehmendem Alter stetig an und können für ältere Selbstständige eine heftige monatliche Belastung darstellen. Im Zuge der Entscheidung über die Krankenversicherung sollten Freiberufler übrigens auch die Regelungen zum Krankentagegeld prüfen. Das schützt vor einem Verdienstausfall in Folge einer langen Krankheit oder eines Unfalls – und ist damit natürlich auch direkt ein Faktor, den man im eigenen Portemonnaie spürt. Wenn Sie diese drei Fragen mit Bedacht beantwortet haben, haben Sie drei wichtige Faktoren im Blick, die das Einkommen eines Freiberuflers maßgeblich beeinflussen.