Führungskraft oder Frühstücksdirektor? So leiten Sie Ihr Team auch ohne Vorgesetztenfunktion

„Frühstücksdirektor“ – dieser Begriff war zuletzt in aller Munde, als FDP-Chef Christian Lindner Stellung nahm zur Causa Maaßen. Sie erinnern sich? Der ehemalige Verfassungsschutzpräsident und mittlerweile in den einstweiligen Ruhestand versetzte Hans-Georg Maaßen sollte zwischenzeitlich als Sonderberater im Bundesinnenministerium dienen. Als Frühstücksdirektor werden Menschen bezeichnet, die zwar in Führungspositionen angestellt sind, aber keinerlei Befugnisse haben. Erst noch erfunden werden muss ein Begriff für Mitarbeiter, die zwar keinen Management-Titel tragen, ihre Teams aber dennoch erfolgreich führen. Vielleicht fällt Ihnen ein Begriff ein?

Fachliche und disziplinarische Führung

Führung ist nicht gleich Führung. Mit Disziplinarbefugnis beispielsweise ist man gegenüber Mitarbeitern weisungsbefugt. Das heißt, dass zu ihren Aufgaben Gehaltsverhandlungen oder das Durchsetzen von disziplinarischen und arbeitsrechtlichen Maßnahmen wie der Kündigung oder einer Abmahnung gehören. Demgegenüber steht die fachliche Führungskraft. Sie ist den Mitarbeitern gegenüber – wenn überhaupt – nur eingeschränkt weisungsbefugt. Im Mittelpunkt steht vielmehr die fachliche Kompetenz der Führungskraft, beispielsweise die Beantwortung fachspezifischer Fragen. Führungskräfte ohne disziplinarische Weisungsbefugnis sind zum Beispiel IT-Projektmanager, die mit einem temporär zugeordneten Team Projektleitungen übernehmen.

Führungsposition offen kommunizieren

Viele fachliche Führungskräfte fühlen sich aufgrund der fehlenden Weisungsbefugnis nicht als „richtige“ Chefs ihres Teams. Ganz nach dem Motto: Viel müssen – wenig dürfen. Doch auch ohne Disziplinarbefugnis haben Sie verschiedene Möglichkeiten, Mitarbeitern Ihre Führungsrolle zu demonstrieren. Zunächst sollten Sie vorab mit Ihrem Chef alle Erwartungen und Aufgaben definieren, sodass Ihr Aufgabenfeld klar abgesteckt ist. Bitten Sie Ihren Chef anschließend, die restlichen Mitarbeiter über die gemeinsam besprochenen Aufgaben sowie Ihren Führungsrahmen in Kenntnis zu setzen. Dies geschieht bestenfalls während eines Meetings oder zur Not auch per E-Mail. Damit stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter Ihres Teams die neuen Hierarchieebenen kennen und respektieren.

Das Team richtig führen

Die Kollegen wissen nun, dass Sie qualifiziert und kompetent sind. Diese Eigenschaften müssen Sie nun auch verkörpern und nach außen hin repräsentieren. Sie übernehmen Verantwortung für das Handeln Ihrer Mitarbeiter – im positiven wie im negativen Sinne. Daher ist es wichtig, dass Sie als Team zusammenarbeiten. Dafür braucht es gegenseitiges Vertrauen. Zeigen Sie Interesse an Ihren Mitarbeitern und nehmen Sie deren Anregungen oder Kritik ernst. So bewahren Sie in Ihrer neuen Führungsrolle Ihre Authentizität. Mit gezielten Nachfragen stärken Sie das eigenständige Denken Ihrer Mitarbeiter und können gleichzeitig überprüfen, ob sich das Projekt noch auf dem richtigen Weg befindet. Dabei ist es wichtig, nicht anklagend oder vorwurfsvoll zu klingen, sondern ernsthaftes Interesse an der Arbeit der Kollegen zu zeigen. 

Aufgaben verteilen  

Ein wesentlicher Bestandteil Ihres Tätigkeitsfeldes ist das Delegieren von Aufgaben. Damit übertragen Sie Verantwortung auf Ihre Mitarbeiter und fördern deren Eigeninitiative. Definieren Sie vorab genau, was gemacht werden soll. Dazu gehören das Ziel der Aufgabe, die Qualität sowie der zeitliche Rahmen. Zu lasche Angaben führen zu Kommunikationsschwierigkeiten, was letztlich der Qualität des Endproduktes schadet. Sobald die Aufgabe erledigt ist, prüfen Sie das Ergebnis und geben Feedback. Das zeigt Ihre Wertschätzung für die geleistete Arbeit und hilft dabei, eventuelle Fehler zukünftig zu vermeiden. Falls Sie sich noch gezielter auf ein kommendes Projekt vorbereiten wollen, finden sich im Internet zahlreiche Anbieter von Seminaren und Workshops zum Thema „Führen ohne Vorgesetztenfunktion“.