Im Kampf gegen Computerkriminalität: So wird man Cyber-Polizist

Erpressungen mithilfe von Schadprogrammen, die die Daten auf Servern von Unternehmen und Organisationen durch Verschlüsselung unlesbar machen, richten Millionenschäden an. Darüber haben wir im ersten Teil unserer kleinen Cyber-Crime-Serie berichtet. Heute stellen wir die Spezialisten vor, die sich dem Kampf gegen Krypto-Trojaner und anderen digitalen Verbrechen stellen: Sowohl das Bundeskriminalamt als auch die Landeskriminalämter bieten IT-Experten verschiedene Optionen für eine Karriere als Cyber-Polizist oder Cyber Cop.

 

 

Der Weg vom Nerd zum Cyber-Polizisten

Die offizielle Berufsbezeichnung für und Ausbildungswege zum Cyber Cop sind bisher nicht bundesweit einheitlich. Aber es gibt einige starke Trends, die die Verbrechensbekämpfung zu einer interessanten Karriereoption für IT-Experten macht. Denn die Strategie von BKA und der Polizei der Bundesländer geht eindeutig in die Richtung: Nicht den Polizisten zum IT-Experten machen, sondern den IT-Experten zum Polizisten.

Die meisten Angebote setzen ein abgeschlossenes Informatik-Studium voraus. Es reicht allerdings zumeist ein Bachelor-Abschluss, ein Master oder gar Doktor wird in der Regel nicht erwartet.

Beim Bundeskriminalamt können sich geeignete Bewerber in einer 20 Monate dauernde Qualifizierungsmaßnahme zum "Cyber-Kriminalisten" weiterbilden lassen. Da sie IT-Kenntnisse bereits mitbringen, liegt der Schwerpunkt ihrer Fortbildung auf Kriminal- und Rechtswissenschaften sowie polizeispezifischen Trainings sowie Dienstkunde.

Fertigen Cyber-Kriminalisten winkt eine Verbeamtung als Kriminaloberkommissar. Typische Aufgaben sind die Auswertung digitaler Spuren zum Beispiel aus Smartphones und Festplatten sowie Informationsauswertung und -analyse. Sie verfolgen Hacker, Internet-Betrüger, Terroristen und organisierte Kriminalität.

Vergleichbare Programme lassen sich auch bei den Polizeibehörden der Länder finden. Was dem BKA die Cyber-Kriminalisten, sind der Bayerischen Polizei zum Beispiel die IT-Kriminalisten. Das sind studierte Informatiker, die innerhalb eines Jahres zum vollwertigen Polizeivollzugsbeamten weiterqualifiziert werden.

Auch Cyber Cops schießen scharf

Cyber- und IT-Kriminalisten müssen sich allerdings auch Herausforderungen stellen, die "normalen" IT-Fachleuten in der freien Wirtschaft recht fremd vorkommen dürften. Da sie eben nicht nur EDV-Experten, sondern auch Polizisten sind, gelten für sie auch die gleichen Voraussetzungen. Bewerber beim BKA müssen im Auswahlverfahren zum Beispiel einen rigorosen Test ihrer körperlichen Fitness bestehen und dürfen nicht kleiner als 1,60 Meter sein. Das Bayerische LKA betont, dass die "Informatik-Profis mit Polizeistern" mit "hoheitlichen Befugnissen und einer eigenen Dienstwaffe" ausgestattet sind; entsprechend gehört zu ihrer Ausbildung Schieß- und Kampftraining.

Suche nach Alternativen lohnt

Auch wer kein Vollzugsbeamter werden will oder statt eines Studiums eine Ausbildung zum Fachinformatiker abgeschlossen hat, kann eine passende Karriere bei der Polizei finden. Die Bayrische Landespolizei bietet zum Beispiel auch eine Ausbildung zum IT-Forensiker an. Fachgebiet dieser Berufsgruppe ist die Beweismittelsicherung von Computern, Smartphones und anderen EDV-Geräten. Dieser Weg steht auch Nicht-Akademikern offen, und der Beruf kann auch als Angestellter im Öffentlichen Dienst ausgeübt werden.

Und dann war da noch die Sache mit dem Geld...

Zu jeder Karriereplanung gehört natürlich auch die Frage: Was verdient man denn da? Die Antwort darauf ist leider: Schwierig, genau zu sagen, aber in der Regel weniger als in der freien Wirtschaft.

Denn Gehalt oder Sold hängt im Öffentlichen Dienst nicht vom persönlichen Verhandlungsgeschick und dem Wert der tatsächlichen eigenen, individuellen Fähigkeiten ab. Sondern ist recht strikt und an Formalien orientiert im Bundesbesoldungsgesetz und im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst quasi in Stein gemeißelt. Das BKA zahlt für Cyber-Kriminalisten während der Ausbildung zum Beispiel nach Entgeltgruppe 10 TVöD, und nach der Verbeamtung nach Besoldungsgruppe A10. Wieviel dabei am Ende für den Einzelnen tatsächlich herausspringt, hängt aber von zahlreichen Nebenbedingungen wie Familienstand, Anzahl der Kinder, Dauer des Dienstverhältnisses und möglichen Ansprüchen auf diverse Zuschläge ab. Ein sächsischer Cyber-Polizist brachte es so auf den Punkt: "Der Ehrgeiz, etwas bewirken zu wollen, muss größer sein als der Ehrgeiz, viel verdienen zu wollen."

Andererseits bietet die Beamtenlaufbahn natürlich auch Vorzüge, die die freie Wirtschaft so nicht leisten kann. Viele Dienststellen betonen daher auf ihren Karriereseiten den unvergleichlich sicheren Arbeitsplatz und die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie.