Imagekrise

„Vertraue keinem Banker“, titelte im vergangenen Jahr das Handelsblatt. Mal wieder hatte eine Studie gezeigt, dass Kunden ihren Bankberatern immer weniger vertrauen. Besonders fatal für die Geldinstitute: Diese Entwicklung ist alles andere als neu. Schon seit 2007 hat das Image der Banken tiefe Kratzer. Sie gelten als Auslöser der globalen Finanz- und Weltwirtschaftskrise, seitdem assoziieren viele Menschen mit Banken in erster Linie Profitgier und begegnen ihnen nur mit Misstrauen. Kapitalismuskritische Protestbewegungen wie Blockupy sind ebenfalls Ausdruck dieser Haltung – was in Frankfurt bei der Eröffnung eines Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar in Ausschreitungen gipfelte.

 

Banken in der Imagekrise: Recruiter müssen gegensteuern
 

Recruiter in der Finanzbranche stellt das schlechte Image vor große Herausforderungen: Wer träumt schon von einem Job, der mit solch negativen Vorurteilen behaftet ist? Für den man sich vielleicht sogar im Freundeskreis rechtfertigen muss? Die logische Folge sind große Nachwuchsprobleme. In einem Berufsprestige-Ranking des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2014 landen Banker auf dem allerletzten Platz.


Branche im Umbruch – ein Neuanfang?

Banken stehen ohnehin unter dem hohen Druck, zahlreiche neue Regulatorik-Auflagen umsetzen zu müssen. Auch dies sind Folgen der Finanzkrise. Um dem nachzukommen, müssen sie sich auch personell zum Teil völlig neu aufstellen. In Bereichen wie IT, Compliance und Risikomanagement sind Fachkräfte gefragt, damit die engen Zeitrahmen der Regulatorikprojekte eingehalten werden können. 

Während dies im Hintergrund umgesetzt wird, müssen die Banken parallel daran arbeiten, im Direktkontakt das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen. Seit dem Vormarsch den Onlinebankings sind die Kundenbeziehungen ohnehin abgekühlt. Warum sie überhaupt noch einen persönlichen Bankberater brauchen, ist vielen Kunden heute unklar. Die Geldinstitute müssen sich daher ganz neu auf die veränderten Kundenbedürfnisse einstellen und individuell auf sie eingehen.  

Egal, welche Position die Personaler in Banken aktuell besetzen müssen: Sie tun gut daran, die aktuelle Situation mit allen Herausforderungen offen darzustellen. Im Grunde geht es darum, sich nach einer Krise wieder zu berappeln, mit ihren Folgen umgehen zu lernen – und dies als Neuanfang zu verstehen. Genau damit können Banken auch um Fachkräfte werben: In der aktuellen Lage sind Gestaltungswillen und eine Hands-on-Mentalität gefragt. Das Bankgeschäft muss neu erfunden und fit für die Zukunft gemacht werden. Im Rahmen der Regulatorikprojekte ebenso wie im direkten Kundenkontakt geht es darum, zu beweisen, dass Banken vertrauenswürdig sind – wenn das keine spannende Aufgabe für den Nachwuchs ist!