Industrie 4.0 – Teil 1: Die Betriebe der vierten Generation entstehen

Das Schlagwort Industrie 4.0 begegnet einem gefühlt jeden zweiten Tag in den Medien. Vertreter aus Wirtschaft und Politik sprechen von fundamentalen Veränderungen für Industrieunternehmen. Doch wie sehen die genau aus? Was passiert mit den Mitarbeitern? Wie verändert sich der Arbeitsalltag? Diesen Fragen wollen wir uns mit einer Artikelserie widmen. Im ersten Teil stellen wir das Großprojekt Industrie 4.0 vor.

 

Betriebe der vierten Generation

Ein Artikel von Ron Meyknecht

 

Die Basics zur Thematik liefert eine Infografik, die Analysten der Deutschen Bank ins Netz gestellt haben. Dort erfährt man auch, woher die Endung 4.0 stammt: die vierte industrielle Revolution. Die erste bestand in der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft. Darauf folgte die Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern und elektrischer Energie. Die dritte Revolution ist die Digitalisierung der Fertigung, sprich der Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion.

Hinter der vierten industriellen Stufe steckt die Vision eines intelligenten und vernetzten Betriebs. Vereinfacht dargestellt: In den Fertigungshallen gibt es künftig ein Internet der Dinge und Dienste, wie es parallel in Privathaushalten in Form mitdenkender Heizungen, Lichtanlagen und Kühlschränke entsteht. Nur dass sich anstelle von Smart Home bei Industrie 4.0 alles um die Smart Factory dreht. Maschinen in den Betrieben gehen online und kommunizieren mit anderen Geräten. Sie beantworten sich selbst Fragen, beispielsweise: Welches Flüssigkeit gehört in welchen Behälter? Wie muss der Rohling geschliffen werden? An wen muss das Ersatzteil geschickt werden? Scanner und Computer lesen Informationen aus Barcodes und RFID-Chips und übermitteln sie online weiter.

Maschinen organisieren sich selbst

Auf i40, findet man Beispiele, wie sich Industrie-4.0-Technologien nutzen lassen. Ein Megatrend sind individuell gestaltete Produkte, die aber zu den Kosten der Massenproduktion hergestellt werden. Eine im Netz häufig zitierte Anwendung ist eine Laserschneidmaschine, die ein bislang noch nicht verwendetes Material bearbeiten soll. Heute besorgt ein Maschinenbediener die nötigen Daten und liest sie in die Maschine ein. Künftig liefert das Rohmaterial die Daten mit oder die Maschine besorgt sich die Informationen selbstständig von einem zentralen Rechner.

Ein Projekt, das Spuren hinterlässt

Deutschland und die EU sind Vorreiter beim Projekt Industrie 4.0 und möchten es auch blieben. Kein Wunder, die Bedeutung für die Wirtschaft und den Industriestandort ist enorm. Ökonomen erwarten bis 2025 ein zusätzliches Wachstumspotenzial von 78 Milliarden Euro durch Industrie 4.0-Technologien. Da zeigt eine Untersuchung von BITKOM und Fraunhofer. Sechs Branchen werden besonders stark profitieren: Maschinen- und Anlagenbau, Elektroindustrie, Automotive, Chemie, Landwirtschaft sowie Informations- und Kommunikationsunternehmen.

Natürlich hat das Ganze auch Auswirkungen auf Mitarbeiter und die Arbeit. 63 Prozent der befragten Mittelstandsentscheider einer weiteren Fraunhoferstudie sagen zum Beispiel eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeitsysteme in Unternehmen voraus. Zudem werden Faktoren wie lebenslanges Lernen, Denken und Handeln über den eigenen Fachbereich hinaus sowie IT-Kompetenz noch wichtiger als bisher.