Klartext auf Kununu: Angestellte bewerten die Attraktivität ihrer Arbeitgeber

Wer wissen will, ob ein Hotel hält, was im Katalog versprochen wird, liest auf Reiseportalen nach, wie Gäste es bewerten. Wer wissen will, ob ein neuer Schmöker etwas taugt, klickt sich durch die Leserrezensionen bei Amazon. Und in der Jobwelt? Da verrät ein Besuch bei kununu.de, wie die Arbeitswirklichkeit in einem Unternehmen aussieht.

 

kununu bewertung

Kununu wurde 2007 in Wien gegründet.  Seit 2013 ist das Karriereportal Xing Eigentümer der Plattform, auf der Angestellte, Ex-Mitarbeiter, Lehrlinge und Praktikanten aus dem deutschsprachigen Raum Erfahrungen zu ihren Arbeitgebern austauschen können. 

Es ist nicht erkennbar, wer eine Bewertung verfasst hat

Bewerten können die Nutzer die Unternehmen in Disziplinen wie Arbeitsbedingungen, Vorgesetztenverhalten und Gehalt/Sozialleistungen. Dazu werden ein bis fünf Sterne vergeben. Außerdem können die Seitenbesucher im Freitext beschreiben, wie sie ihren Arbeitsalltag erleben. Alle Nutzer geben ihre Bewertung anonym ab. Zwar muss man sich bei Kununu anmelden und einloggen, aber es ist nicht öffentlich sichtbar, wer welche Bewertung verfasst hat.

Für Jobsuchende ist Kununu eine gute Informationsquelle. Denn natürlich beschreiben Unternehmen das eigene Arbeitsumfeld in Broschüren und auf Webseiten in den allerhellsten Farben. Mit der Realität haben diese Angaben nicht immer etwas zu tun. 

Die Nutzer nehmen kein Blatt vor den Mund

Bei Kununu gibt es dagegen die Arbeitnehmersicht zu lesen. Dabei nehmen viele Nutzer kein Blatt vor den Mund. Über ein Unternehmen ist beispielsweise dort diese Bewertung zu lesen: „Work-Life-Balance nicht vorhanden, stattdessen viele Überstunden, die man nicht wieder bekommt. … Viel Druck, wenig Wertschätzung. Alles was zählt ist der Nasenfaktor.“ 

Wer Klartext sucht, wird bei Kununu sicher fündig. Doch genau wie bei Buch- oder Hotelbewertungen ist es gefährlich, nur eine einzelne Bewertung zu lesen, um sich zu informieren. Die meisten Unternehmen erhalten sowohl gute als auch schlechte Beurteilungen. Genau über das gleiche Unternehmen, das weiter oben kritisiert wurde, schreibt beispielsweise ein anderer Nutzer: „Tolle Karrierechancen, super Kollegen“.

Die Bewertungen nicht für bare Münze nehmen

Was also stimmt nun? Die negative oder die positive Bewertung? Kununu zeigt zu jedem Unternehmen einen Mittelwert der vergebenen Sternchen an. Dieser bewegt sich meist zwischen drei und vier Sternen. Die wenigstens Unternehmen werden also durchgehend sehr gut oder sehr schlecht bewertet.

Wie bei allen Bewertungsportalen stehen Besucher auch bei Kununu vor dem Problem, dass nicht alle Bewertungen echt sind. Kununu prüft nicht, ob man tatsächlich bei dem Unternehmen gearbeitet hat, das man bewertet.  Einige Unternehmen animieren ihre Mitarbeiter außerdem, gute Bewertungen zu verfassen - besonders wenn über einen Arbeitgeber gerade einige negative Beiträge verfasst wurden. Den Unternehmen ist es nämlich absolut nicht egal, wie sie auf so einem Portal dastehen. Für die Außendarstellung sind viele schlechte Bewertungen fatal.

Eine gewisse Orientierung bietet es also, wenn man sich auf Kununu über einen Arbeitgeber informiert. Vor allem, wenn in vielen ausführlich geschriebenen Bewertungen über ähnliche Erfahrungen berichtet wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Berichte eine wahren Kern haben. 

Allerdings warnen Fachleute davor, sich zu stark auf die Bewertungen allein zu verlassen. Mitunter zeichnen sie ein verzerrtes Bild, weil zum Beispiel Arbeitsbedingungen, die jemand in seiner Bewertung kritisiert hat, sich geändert haben.  Viele Bewertungen sind einige Jahre alt – und in so einem Zeitraum kann sich viel in einem Unternehmen ändern.

Sich blind auf die Bewertungen zu verlassen, ist also riskant. Ein Gespräch mit einem Bekannten, der zufällig bei dem Arbeitgeber arbeitet, für den man sich interessiert, ist immer noch die zuverlässigere Informationsquelle.