Open-Source-Projekte: Schwarmintelligenz für Software

Open Source liegt im Trend. Die quelloffene Software baut auf die Intelligenz der Masse und macht den Code möglichst vielen Entwicklern zugänglich, damit er optimal weiterentwickelt werden kann. Nach dem Motto „vier Augen sehen mehr als zwei“ können nach Ansicht von 58 Prozent der Befragten eines Open-Source-Survey Sicherheitsfaktoren bei Open-Source-Software deutlich besser erfüllt werden als bei herkömmlichen Projekten. Gleichzeitig ist nach Ansicht von 86 Prozent Sicherheit das wichtigste Feature einer jeden Software. Kein Wunder also, dass 72 Prozent aller befragten Unternehmen immer bei allen Projekten die Option einer Open-Source-Entwicklung in Betracht ziehen. Eine weitere Studie fand heraus, dass die Plattformen, die am offensten sind, auf lange Sicht auch die erfolgreichsten sind. Als Beispiele nennen die Autoren Eclipse, Linux, Webkit und Mozilla.

Tech-Riesen setzen auf Engagement der Masse

Die Open Source Initiative (OSI) feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Die in Kalifornien gegründete Non-Profit-Organisation hat sich zum Ziel gemacht, Open-Source-Software mit Schulungen, Austausch und Infrastruktur zu fördern. Sie verteilt auch den geschützten Titel „Open Source“ an von ihr geprüfte Projekte. Nach dieser Definition ist jedoch nur Software offen, deren gesamter Sourcecode frei verfügbar ist.

Das bekannteste Beispiel offener Software ist wohl die Enzyklopädie Wikipedia, an der jeder mitarbeiten kann und die so zur größten Wissenssammlung der Welt wurde. Denn Mitmachen heißt nicht zwingend nur Programmieren, es können auch Fehler gemeldet werden oder in anderer Weise zum Projekt beigetragen werden. Aber auch Apple hat sich im vergangenen Jahr entschieden, Swift freizugeben. Mozilla ist ein Open-Source-Projekt, das eine Reihe von Applikationen wie den Internetbrowser Firefox beinhaltet. Selbst Microsoft stellt immer wieder Projektteile Open Source. Auch ganz andere Projekte basieren darauf: Die Software, die das Kanal- und Rohrsystem der Berliner Wasserbetriebe steuert, basiert auf Open Source, genauso wie die Beleuchtung der Allianz-Arena in München. Mittels Open Source wurde auch ein Lasercutter zum Implantat-Drucker umfunktioniert.

Warum man sich ohne Bezahlung engagieren sollte

Auf den ersten Blick erscheint es nicht logisch, sich an Open-Source-Projekten zu beteiligen. Die meisten Designer oder Programmierer müssen ihren Lebensunterhalt mit ihren Fähigkeiten verdienen – warum sollten sie ohne Bezahlung arbeiten? Ein Argument dafür ist, Erfahrungen zu sammeln und weitere Referenzprojekte angeben zu können. Ein weiterer Punkt ist sicher die Herausforderung, die Lösung für bestehende Probleme zu finden – oder einen Fehler aufzuspüren, der den späteren Nutzern größere Probleme bereitet hätte. Open-Source-Software gilt als deutlich sicherer, häufig ohne Bugs und Hintertüren. Auch ist es vielen Mitstreitern ein Anliegen, dazu beizutragen, besonders sichere Software zu entwickeln. Manche Software, die im offenen Code kollektiv entwickelt wird, schließt auch eine Marktlücke und kann dann eventuell später selbst verwendet werden. Programmierer berichten auch von einem guten Gefühl, den Projekten etwas zurückzugeben, von deren kostenloser Arbeit sie bereits selbst profitiert haben – denn in vielen privaten und beruflichen Lebensbereichen wird Software verwendet, die Open Source entstanden ist.

Erfolgreiche Open-Source-Software

Von den großen Entwicklungen haben Sie vermutlich bereits gehört und diese vielleicht sogar verwendet. Open-Source-Alternativen zu Microsoft Office sind LibreOffice und OpenOffice. Der Browser Firefox von Mozilla, der aus dem Quellcode des einstigen Netscape Communicators hervorging, gilt als sicherer als der Internet Explorer. Zum Abspielen von Musik und Videos gilt der VLC media player als sehr gutes Programm. Der Editor Notepad++ bietet deutlich mehr Funktionen als der unter Windows vorinstallierten Editor. Als gute Sicherheits-Software hat VeraCrypt die Nachfolge von TrueCrypt angetreten, dessen Quellcode in der Community überprüft wurde. Zur Erstellung von Fotobüchern und anderem eignet sich das Layoutprogramm Scribus, es gestaltet Seiten und platziert Bilder sowie Text. Eine Übersicht guter Open-Source-Software liefert Heise.de.

Mittendrin statt nur dabei: Projekte finden

Wenn Sie an solchen Projekten mitmachen wollen, haben Sie die Wahl zwischen mehreren Anlaufstellen. Sehr viele Open-Source-Projekte hosten ihre Projekte auf GitHub, einer Programmierplattform, die vor allem auf diese offene Software setzt. Die mehr als 28 Millionen Entwickler arbeiten auf Github gemeinsam an rund 80 Millionen Projekten. GitHub erleichtert die Mitarbeit an Projekten, da sich vom Code ein sogenannter Fork, eine Abspaltung, erstellen lässt, die man unabhängig vom Original bearbeitet. Ist dies geschehen, kann man den Besitzer des Originals bitten, den eigenen Code mit dem Original zusammenzuführen. Allerdings wurde kürzlich angekündigt, dass die nach eigenen Angaben größte Tech-Plattform der Welt von Microsoft übernommen wird, was in der Open-Source-Gemeinde auf viel Kritik stößt. Eine noch nicht von einem großen Konzern kontrollierte Alternative ist GitLab, die Plattform ermöglicht beispielsweise, verschiedene Rollen zu vergeben, so dass nicht alle Mitglieder Zugriff auf den gesamten Quellcode haben. Eine andere Variante ist Sourceforge – die Plattform hat nach eigenen Angaben 3,7 Millionen Nutzer und kreiert mehr als 430.000 Softwareprojekte. Auch in diversen kleineren Initiativen wie opensourceecology werden Interessierte fündig.

Eigene Projekte starten

Auf solchen Plattformen können Sie nicht nur bei bestehenden Software-Projekten mitmachen, sondern auch Ihr eigenes Open-Source-Projekt starten. Über Sourceforge werden beispielsweise Aufgaben-Tracking, Versionsverwaltung und Kommunikation gebündelt. Wichtig sind im Falle des eigenen Projektes auch Coding-Guidelines, damit z.B. der Code einheitlich strukturiert ist und jeder, der mitarbeitet, nach denselben Kriterien agiert. Vielen Entwicklern und IT-Mitarbeitern geistert die ein oder andere Software-Idee im Kopf herum, eine Vorstellung eines Programms, das ein Problem besser löst als vorhandene Alternativen – Doch niemand kann alles gleich gut, jeder Programmierer hat seine eigenen Wege und so kann die geballte Intelligenz einer Gruppe oft zu einer guten Lösung führen. Auf vielen Plattformen lassen sich neue Mitstreiter akquirieren und integrieren. Eigene Open Source Projekte können auch finanziell gefördert werden, der Prototypefund spendiert hier bis zu 47.500 Euro. Die nächste Phase startet im August 2018.