Privates Surfen am Arbeitsplatz: Was ist erlaubt?

JOBlog - Surfen am Arbeitsplatz

Ein Artikel von Maren Hütwohl

Mal eben kurz die eigenen Mails checken oder bei Facebook vorbeischauen – viele sind bei der Arbeit zumindest gelegentlich privat im Internet unterwegs. In den meisten Fällen bleibt das ohne Folgen. Es gibt aber auch Beispiele, in denen das private Surfen sogar zur Kündigung geführt hat. Deshalb wollen wir an dieser Stelle die Frage klären: Darf ich während der Arbeitszeit privat im Internet surfen – und wenn ja, wie lange?

 

„Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, seine komplette Arbeitszeit in den Dienst des Unternehmens zu stellen, für das er tätig ist.“ So oder so ähnlich steht es in den meisten Arbeitsverträgen. Das bedeutet streng genommen, dass jegliches privates Surfen verboten ist. Meist gibt es jedoch Ausnahmen. Diese werden entweder im Arbeitsvertrag oder der Betriebsvereinbarung festgehalten. Oder es gibt eine „stillschweigende Duldung“. Das heißt, der Arbeitgeber drückt ein Auge zu, solange die eigentliche Arbeit darunter nicht leidet.

Chef kann Schadenersatz verlangen

Wer Angst hat, wegen privaten Surfens am Arbeitsplatz gekündigt zu werden, sei beruhigt: Wenn Sie nicht gerade mehr als eine Stunde pro Tag privat im Internet verbringen oder pornografische Inhalte herunterladen, kann der Chef Sie nicht einfach entlassen. Denn in der Regel muss er zunächst eine Abmahnung aussprechen. Erst wenn Sie danach immer noch privat im Internet unterwegs sind, müssen Sie mit der Kündigung rechnen.

Grundsätzlich gibt es drei Dinge zu beachten, wenn Sie während der Arbeitszeit (und in den Pausen) den Arbeitsrechner für private Zwecke nutzen:

 

  1. Schauen Sie in Ihrem Arbeitsvertrag nach,ob dort die private Internetnutzung am Arbeitsplatz geregelt ist. Wenn dort nichts steht, werden Sie vielleicht in der Betriebsvereinbarung fündig. Fragen Sie am besten die Personalabteilung, wo Sie diese finden.
  2. Wenn es keine klare Regelung gibt, sollten Sie Ihren Vorgesetzten ansprechen. Denn klare Vereinbarungen verhindern, dass es später zum Streit oder sogar zu einer Abmahnung kommt.
  3. Seien Sie vorsichtig, welche Seite Sie besuchen oder welche Anhänge Sie öffnen. Klar, das gilt auch beim Surfen vom heimischen Rechner aus. Aber wenn Sie sich beim Firmenrechner einen Virus oder Trojaner einfangen, ist im Extremfall das gesamte Netzwerk des Unternehmens betroffen. Und damit sorgen Sie nicht nur für schlechte Stimmung und jede Menge Stress bei den Kollegen aus der IT, sondern auch für hohe Kosten. Denn wenn Sie sich die Schadsoftware fahrlässig auf den Rechner geholt haben, müssen Sie den entstandenen Schaden eventuell aus eigener Tasche bezahlen.

Mehr Rechte für Auszubildende

Selbst wenn Ihr Chef privates Surfen am Arbeitsplatz generell verbietet, gibt es einige Ausnahmen. Bei einem Notfall in der Familie ist zum Beispiel eine kurze Mail (oder ein kurzes Telefonat) in der Regel erlaubt. Gleiches gilt, wenn Sie wegen Überstunden später nach Hause kommen.

Besondere Rechte gibt es übrigens für Auszubildende. Sie dürfen auch dann nicht entlassen werden, wenn sie trotz eindeutigem Verbot privat im Internet unterwegs sind. Das hat das Landesgericht Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr entschieden.