Projektarbeit- Wer hat's erfunden?

Geht es Ihnen auch so? Wenn sich Menschen heute über ihre Arbeit unterhalten, fällt immer häufiger dieses Wort: Projekt. Eine neue JOBlog-Serie greift das Thema auf und widmet sich speziell dem Projektmanagement. Teil 1: Wie alles begann.

 

Autor: Ron Meyknecht 

Gobekli Tepe – die Mutter aller Projekte?

Die Geschichte der Projektarbeit ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Für die Macher der Seite ProjectManagementHistory.com gab es vor rund 11.000 Jahren bereits eine Frühform. Die Menschen müssen aus ihrer Jagd- und Sammeltätigkeit Planungsfähigkeiten besessen haben. Dieses Know-how haben sie später umfunktioniert, um damit etwa 9.000 vor Christus auf der anatolischen Hügelkette Gobekli Tepe eine der ersten Tempelanlagen zu errichten. 50 Tonnen schwere Steinquader anzufertigen und zu bewegen, das geht nicht ohne Organisation. Das Rad wurde schließlich erst bummelige 5.000 Jahre später erfunden. Eine weitere Zeitreise zur Entwicklung des Projektmanagements liefert das Buch Projektmanagement: der erfolgreiche Einstieg, inklusive Timeline auf Seite 28.

Die Gründerväter von DIN 69901 und ISO 21500

Was den Projektleitern der Urzeit allerdings fehlte, war die Systematik. Basis für ihre Projektplanung waren Erfahrungen. Erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kam man auf die Idee, ein wenig Methode in die Sache zu bringen. 1896 entwickelte der polnische Ingenieur Karol Adamiecki das Harmonogram. Der US-Amerikaner Henry Gantt zog nach und schuf 1910 den Balkenplan, auch bekannt als Gantt-Diagramm. Durch seine Arbeit gibt es unter anderem den 1935 fertiggestellten Hoover-Staudamm. Beim folgenschweren Manhattan-Projekt soll es laut Wikipedia die erste dokumentierte Vorgehensweise gegeben haben. Diesem Erfahrungsschatz ist es zu verdanken, dass es heute zertifizierte Projektmanagementstandards wie DIN 69901 und ISO 21500 gibt.

Jedes Projekt ein eigener kleiner Mondflug

Eine erneute Wende hin zum modernen Projektmanagement fand in den 1950ern und 1960ern statt. In dieser Zeit wurde das Projektmanagement eine Wissenschaft für sich. Auslöser war der Wettlauf ins All. Die Reise in den Weltraum erforderte völlig neue Denkweisen, Menschen und Maschinen zu organisieren. Wer heute moderne Hochhausbauten plant, seine Abläufe digitalisiert und Apps entwickelt, profitiert von den Erkenntnissen aus den vielen, meist militärischen Projekten. Man könnte sagen: Jedes Projekt ist ein eigener kleiner Mondflug.

Projektarbeit 4.0

Heute arbeiten gefühlt alle in Projekten. Studien untermauern die These. Die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. prognostizierte 2011, dass 2020 jeder sechste Euro in Deutschland in Projekten erarbeitet wird. 2007 waren es zwei Prozent.

Parallel erleben wir, wie das Projektmanagement teilweise an seine Grenzen stößt. Fehlplanungen wie bei Stuttgart21, Elbphilharmonie und BER zeigen, dass der Schwierigkeitsgrad steigt. Die Aufgaben werden komplexer, Projektlaufzeiten und Reaktionszeiten auf Kundenwünsche kürzer. Dieser Trend forciert den Wandel hin zu neuen Arbeitsformen. Die Arbeitswelt von morgen wird so aussehen, dass Menschen noch mehr in fachübergreifenden Projekten arbeiten werden. Unter dem Stichwort: Arbeit 4.0 müssen sich Projekte noch schneller organisieren und anpassen lassen. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter stärker mit dem Unplanbaren umgehen – ein bisschen so wie die Projektmanager der Urzeit.

Frage an alle Projektmitarbeiter

Wir möchten mit Ihnen diskutieren. Wie erleben Sie den Wandel in den Projekten, verändern sich die Methoden in der Praxis? Schreiben Sie uns!