Projektmanager- Organisationstalent und Menschenkenner?

Geht es Ihnen auch so? Wenn sich Menschen heute über ihre Arbeit unterhalten, fällt immer häufiger dieses Wort: Projekt. Eine neue JOBlog-Serie greift das Thema auf und widmet sich speziell dem Projektmanagement. Im ersten Teil haben wir einen Blick auf die Historie des Begriffs geworfen. Nun geht es um das Berufsbild.

 

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Autor: Ron Meyknecht 

Die Spezies der Projektmanager

Streng genommen sind wir fast alle Projektmanager. Ein Projekt ist ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben unter Berücksichtigung von Restriktionen. Diese sind Zeit, Qualität sowie Ressourcen wie Kosten und Personal. Es beinhaltet einen Satz von abgestimmten, gelenkten Tätigkeiten mit Anfangs- und Endtermin. Somit ist auch die Organisation der Firmenweihnachtsfeier ein Projekt. Wer von Beruf Projektmanager ist, hantiert jedoch jeden Tag mit Plänen und Kennzahlen. Methodenkenntnisse und Projektmanagementtools helfen ihm, den Überblick zu behalten. Auch Quereinsteiger und Projektassistenten sollten darin geschult sein. Stressresistenz, Menschenkenntnis und Organisationstalent sind Grundvoraussetzungen. Denn Projektmanager müssen einen Termin- und Kostendruck aushalten: Laut der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (DGP) halten Firmen nur jedes dritte Projekt für erfolgreich. Das heißt, es wurden Vorgaben an Kosten, Zeit und Qualität zumindest zu 80 Prozent eingehalten. Gleichzeitig muss das Team motiviert, gefordert und unterstützt werden. Ein herausfordernder, aber abwechslungsreicher Job!

Kein Projekt wie das andere

Wie Aufgaben und Alltag genau aussehen, ist stark abhängig von der Branche und der Dimension. Besonders viele Projekte finden im Anlagen- und Maschinenbau, der Pharmaindustrie, der Automobilbranche sowie im IT-Bereich statt. Ein durchschnittliches Projekt dauert laut DGP zwei Jahre und hat sechs bis 20 Mitarbeiter. Produkt- oder Softwareentwicklungen sind besonders häufig. Im Projekt eines Kosmetikherstellers soll beispielsweise eine neue Maschine zur Produktherstellung entwickelt, bei einem Großkonzern eine neue Software implementiert werden. Auch die Neustrukturierung von Büroflächen und Filialen kann ein Projekt sein. Ebenso ist das Aufstellen eines Windparks ein Großprojekt, bei dem von der Standortbestimmung über die Finanzierung bis zur Inbetriebnahme jeder Schritt penibel geplant werden muss. Projekte können mit vielen Reisen verbunden sein, zum Beispiel an verschiedene Standorte. Teams setzen sich oft international und aus unterschiedlichen Berufen zusammen. Maschinenbauer, Betriebswirte, Techniker und Chemiker bringen ihr Spezialwissen ein.

Die Ausbildung zum Multitalent

Laut einer Verbandsstudie verfügen 78 Prozent der Beschäftigten im Projektmanagement über einen Hochschulabschluss. Viele Projektmanager sind Spezialisten und haben beispielsweise Informatik, Maschinenbau oder Elektrotechnik studiert. Eine Verknüpfung von Fach- und Managementkompetenzen bietet ein Wirtschaftsingenieurstudium. Seit einiger Zeit wird Projektmanagement sogar als eigener Studienzweig oder Spezialisierung angeboten – zum Beispiel an der Hochschule Merseburg oder der FH Bielefeld.

Die Mehrheit der Projektmanager ist jedoch zunächst in ihrem Fachgebiet tätig und übernimmt dort mit zunehmender Erfahrung Projekte. Fast 70 Prozent können dann eine Zertifizierung im Projektmanagement vorweisen. Grundlagen vermittelt das „Basiszertifikat für Projektmanagement“ des Verbands GPM. Die internationale Zertifizierung nach EN ISO/IEC 17024 erfolgt in vier Schritten vom Fachmann (Level D) bis zum Projektdirektor (Level A). Zertifizierte Senior Projektmanager oder Projektdirektoren verfügen über die höchsten Einkommen. Projektleiter können auf durchschnittlich 105.000 Euro Jahresgehalt hoffen.

Projektmanager auf Zeit

Nicht alle Projektmanager sind fest angestellt. Für Projekte, die in der Firma nur selten vorkommen, werden oft Spezialisten benötigt. Diese stellen sich viele Unternehmen gern in freiberuflichen Teams für eine begrenzte Zeit zusammen. Häufig sind solche Projekte im IT-Bereich, zum Beispiel zur Softwareentwicklung aber auch in der Automobilbranche. Die Firma spart Kosten und kann Arbeitskraft gezielt einsetzen. Für den Freiberufler kann es spannend sein, mit neuen Konstellationen von Menschen zusammen zu arbeiten. Auch die Unternehmen und Aufgaben sind vielfältiger. Dafür kommen allerdings auch Haftungsrisiken auf ihn zu. Es gibt jedoch auch Wege, diesen Nachteil zu umgehen und trotzdem die Vielfältigkeit zu erhalten. Einer davon ist, Projekte über spezialisierte Projektvermittler wie Experis zu übernehmen oder sich gar dort fest anstellen zu lassen.

Frage an alle Projektmanager  

Wir möchten mit Ihnen diskutieren. Wie sind Sie Projektmanager geworden? Welche Qualifizierungen und Fähigkeiten brauchen Sie bei Ihrer täglichen Arbeit? Und welche Restriktion ist für Sie die schwierigste: Zeit, Geld oder Personal? Schreiben Sie uns Ihre Kommentare.