Was Blockchain für den HR-Bereich bringt

Lieferketten zu optimieren und Anwendungen für das Internet der Dinge zu entwickeln, sind derzeit die Sparten, in denen Unternehmen die Blockchain-Technologien vorzugsweise einsetzen wollen. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung Deloitte, bei der mehr als 1.000 Führungskräfte aus mehreren Ländern befragt wurden, darunter den USA, China, Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Mit einem Anteil von 50 Prozent landete der Bereich "Digital Identity" auf dem dritten Platz.

 

 

Und hier kommen Personaldienstleister wie Experis und HR-Abteilungen ins Spiel. Denn digitale Identitäten in Verbindung mit Blockchain können bei der Suche nach IT-Fachkräften und im Personalmanagement eine wichtige Rolle spielen. Ein Beispiel ist das Verifizieren von Angaben eines Bewerbers oder IT-Freelancers über seine Qualifikationen und seinen beruflichen Werdegang. Solche Daten können Bewerber in einer verteilten Blockchain-Datenbank ablegen und für einen Personaldienstleister oder Arbeitgeber freigeben. HR-Spezialisten haben dadurch die Möglichkeit, die Suche nach Kandidaten mit speziellen Qualifikationen schneller durchzuführen.

Dritte müssen Angaben bestätigen

Allerdings setzt ein solches Verfahren voraus, dass Dritte die Informationen bestätigen, die ein Fachmann oder Freelancer in der Blockchain hinterlegt. Hochschulen, Weiterbildungsinstitute und frühere Arbeitgeber müssen belegen, dass die Zertifikationen des Betreffenden "stimmen". Dies verhindert, dass ein Bewerber seine Qualifikation mit gefälschten Zertifikaten "aufwertet". Nach Erfahrungen von Experis hat die Zahl solcher Betrugsversuche in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Dadurch wird es für Personaldienstleister und HR-Abteilungen immer aufwändiger, die Angaben von Fachkräften auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Der Einsatz der Blockchain-Technologie kann diesen Aufwand reduzieren.

Der Haken dabei ist, dass gegenwärtig nur wenige Bildungseinrichtungen für Zertifizierungsvorgänge Blockchain verwenden. So führt derzeit die Universität Basel (Schweiz) einen Test mit dieser Technologie durch. In den USA bieten einige Hochschulen eine digitale Zertifizierung von Studiengängen mithilfe Blockchain an, etwa das Massachusetts Institute of Technology (MIT).

"Smart Contracts" mit IT-Freelancern

Eine weitere Option ist, die Blockchain-Technologie bei Arbeits- und Werkverträgen mit IT-Freelancern einzusetzen, Stichwort "Smart Contracts". Ein Beispiel: Ein Unternehmen vereinbart mit einem IT-Freiberufler, dass dieser ein Projekt umsetzt. Die Vertragsdetails lassen sich in einer Blockchain hinterlegen. Das "Smarte" dabei ist, dass sich Abläufe automatisieren lassen, etwa dass der Freelancer eine Abschlagzahlung erhält, wenn in der vorgegebenen Zeit ein bestimmter Projektstatus erreicht wurde.

Solche "Wenn-Dann"-Regeln können auch bei festangestellten Mitarbeitern zum Einsatz kommen, etwa die Auszahlung einer Prämie, wenn ein Beschäftigter eine Sonderaufgabe erfolgreich abgeschlossen hat. Derzeit werden Smart Contracts allerdings in anderen Bereichen getestet, etwa in der Software-Sparte. Denkbar ist beispielsweise, dass sich die Software eines Entwicklers automatisch deaktiviert, wenn ein Kunde sie für Zwecke nutzt, die nicht vertraglich abgedeckt sind.

 

Blockchain-Daten reichen nicht aus

Doch trotz der positiven Ansatzpunkte, welche die Blockchain-Technologie im HR-Bereich bietet, ist sie kein Allheilmittel. Ein Kritikpunkt ist, dass die Informationen über die Qualifikationen und den beruflichen Werdegang in einer Blockchain-Datenbank nur einen Teilbereich abdecken. Nicht berücksichtigt werden beispielsweise "Soft Skills" wie die Kommunikationskompetenz und die Teamfähigkeit. Laut der Studie "Fachkräftemangel 2018" der ManpowerGroup mangelt es fast jedem zehnten Bewerber an sozialen Kompetenzen und Soft Skills. Das ist problematisch, wie die die Studie "Skills Revolution 2.0" zeigt, die das Marktforschungsinstitut Infocorp im Auftrag der Manpower Group erstellte. Denn 88 Prozent der deutschen Arbeitgeber stellen bevorzugt Mitarbeiter ein, die gut mit anderen zusammenarbeiten können. Die Kommunikationsfähigkeiten stufen 79 Prozent der Befragten als wichtig ein.

Doch wie kommunikativ ein Mitarbeiter ist und wie gut sich ein IT-Freelancer in ein Projektteam integrieren kann, kann ein Datensatz aus einem Blockchain-Repository nicht sagen. Die passenden Fachkräfte zu finden, erfordert somit weiterhin ein professionelles Auswahlverfahren, inklusive Einzelinterviews. Das heißt, die Blockchain-Technologie kann HR-Profis bei ihrer Arbeit unterstützen, sie aber nicht ersetzen.

Arbeitgeber legen bei der Auswahl von Mitarbeitern nicht nur auf deren Know-how Wert, sondern auch auf "Soft Skills". Ob ein IT-Fachmann darüber verfügt, lässt sich nur im direkten Gespräch ermitteln, nicht mithilfe von Daten aus einer Blockchain-Datenbank.

Blockchain kann die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern auf eine neue Grundlage stellen. Diese Technologie könnte es beispielsweise einfacher machen, mit IT-Freelancern zusammenzuarbeiten.