Wie die neue Welle an technischen Neuerungen unsere Arbeitsweisen verändert

Altes muss vergehen, damit Neues entstehen kann

 

Infolge der Technologisierung werden die Geschäftszyklen immer kürzer und der Wettbewerb zunehmend global. Angesichts des permanenten Wandels wird es für den Einzelnen schwieriger, seine Qualifikationen auf dem neuesten Stand zu halten, und für Bildungseinrichtungen wird es schwieriger die Kompetenzen vorherzusagen, die Personalverantwortliche in drei Jahren benötigen werden. Die Debatte darüber, ob der technologische Wandel zu einem Abbau oder einer Verlagerung von Arbeitsplätzen führen wird, ist noch nicht beendet. Sicher ist allerdings, dass die Auswirkungen der Technologisierung auf Arbeitsplätze mit mittleren und niedrigen Qualifikationsanforderungen noch nicht absehbar sind.

 

Angesichts der fortschreitenden Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz werden bald auch nichtmanuelle Tätigkeiten von den Auswirkungen betroffen sein – auch in höher qualifizierten Aufgabenbereichen wie Wirtschaftsprüfung und Buchhaltung. 2010 ging man davon aus, dass bis zu 47 % der Arbeitsplätzen in den USA 10 bis 20 Jahre später mit großer Wahrscheinlichkeit computergesteuert sein würden. Die Geschichte mag uns lehren, dass am Ende die neu geschaffenen Branchen und Möglichkeiten besser sein werden als die althergebrachten. Und dennoch: Der Übergang wird sich nicht einfach gestalten, und auf dem Arbeitsmarkt wird es sowohl Gewinner als auch Verlierer geben.

The Human Cloud und High-Touch-Technologien

In unserer hypervernetzten, datenintensiven Welt hat der technologische Fortschritt die Markteintrittsbarrieren drastisch gesenkt und eine Machtverschiebung vom Hersteller zum Verbraucher bewirkt. Die sogenannte Gig-Wirtschaft, in der einzelne Aufgaben (gigs) über Technologie-Plattformen vergeben werden, ist schon zu einem Alltagsphänomen geworden. Dies reduziert den Bedarf an klassischem Massenmarketing und begünstigt Unternehmen, die zu ihren Kunden eine engere, persönlichere Beziehung aufbauen. In einigen Fällen gelten Meinungsbildner mit einer riesigen Anhängerschaft auf YouTube und Instagram bei den Verbrauchern als vertrauenswürdiger, glaubwürdiger und authentischer.

Im Zuge der Technologisierung wird auch der Wert von Marken infrage gestellt und es entstehen neue Möglichkeiten der Vertrauensbildung. Dies zeigt sich vor allem auch am Beispiel der Sharing Economy: Auf der Suche nach qualitativen Produkten und Dienstleistungen wandte man sich früher den großen, etablierten Unternehmen zu. Im Zuge der neuen Rating Economy allerdings gelten Dawanda-Künstler, Airbnb-Vermieter, oder andere „Marken“ als ebenso vertrauenswürdig oder sogar vertrauenswürdiger als klassische Anbieter. Mit seiner Handmade-Sparte schafft Amazon derzeit einen neuen Marktplatz für handgefertigte Produkte. Die fünf wichtigsten Sektoren der Sharing Economy – Peer-to-Peer-Finanzierung, Online-Stellenbesetzung, Peer-to-Peer-Unterkünfte, Car-Sharing und Musikvideo-Streaming – haben das Potenzial, bis 2025 den derzeitigen Umsatz von rund 15 Mrd. US-Dollar auf 335 Mrd. US-Dollar zu steigern. Die neue „Kultur des Vertrauens“ ermöglicht Millionen von kleinen Herstellern den Markteintritt, und diese Bewegung bringt multinationale Unternehmen zunehmend in Bedrängnis.

Es entstehen laufend neue Geschäftsmöglichkeiten mit geringen Fixkosten, und so werden die Margen durch Kleinunternehmer gedrückt, die Online-Plattformen in diversen etablierten Branchen nutzen, auch im Bereich der Personalbeschaffung. Aufgrund der technischen Möglichkeiten lassen sich Angebot und Nachfrage nach Arbeit bequemer miteinander verbinden. Die Herausforderung liegt darin, ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Arbeitnehmer durch klassische Vollzeitbeschäftigung und neuen informellen, unsichereren Modellen wie Upwork, crowdSPRING oder Freelancer.com herzustellen. Noch betrifft dieser Strukturwandel bloß ein Fragment des Arbeitsmarktes, zugleich ist er aber auch ein Zeichen dafür, dass neue Arbeitsmodelle entstehen und dass aufseiten der Verbraucher und Angestellte ein Interesse daran besteht. Die tatsächliche Anzahl der hiervon betroffenen Arbeitsplätze mag zwar begrenzt sein, aber die Erwartungen der Angestellten und die Nachfragesituation werden zunehmend von diesem Wandel beeinflusst.