Wie flexibel ist Deutschlands Arbeitsmarkt?

Gehören Sie zu denjenigen, die zwar einen Job suchen, aber nicht Vollzeit bei einem Arbeitgeber angestellt sein können oder wollen? Vielleicht suchen Sie einen zweiten Teilzeitjob neben einem anderen, wollen die Hälfte ihrer Zeit der Familie oder anderen beruflichen Projekten widmen oder suchen generell nur freiberuflich nach Aufträgen.

 

Teilzeit, Zeitarbeit & Co: Wie flexibel ist Deutschlands Arbeitsmarkt?

 

Gehören Sie zu denjenigen, die zwar einen Job suchen, aber nicht Vollzeit bei einem Arbeitgeber angestellt sein können oder wollen? Vielleicht suchen Sie einen zweiten Teilzeitjob neben einem anderen, wollen die Hälfte ihrer Zeit der Familie oder anderen beruflichen Projekten widmen oder suchen generell nur freiberuflich nach Aufträgen.

 

Das ideale Beschäftigungsverhältnis sieht bei jedem Arbeitnehmer anders aus. Mancher wünscht sich mehr Flexibilität als es viele Arbeitgeber bieten können. Auch die Zeitarbeit, die für viele Jobsuchende eine Brücke in den Arbeitsmarkt darstellt, zählt zu solchen flexiblen Beschäftigungsmodellen.

 

 

Doch wieviel Spielraum haben die Unternehmen? Wie günstig sind zum Beispiel die Rahmenbedingungen für flexibles Arbeiten im jeweiligen Land? Als international führendes Zeitarbeitsunternehmen hat die ManpowerGroup einen Index entwickelt, der diesen Fragen jährlich auf den Grund geht: den Contingent Workforce Index (CWI). Mit Contingent Workforce sind dabei alle Arbeitsverhältnisse gemeint, die von der klassischen Festanstellung in Vollzeit abweichen, also etwa Teilzeit, Zeitarbeit, Freiberuflichkeit, externe Beratung und ähnliches.



Für den CWI werden eine Reihe verschiedener Faktoren berücksichtigt, darunter die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, die Arbeitskosten, die staatliche Regulierung und die Produktivität. Dazu greifen die Analysten der ManpowerGroup auf Daten der nationalen Arbeitsministerien, der Internationalen Arbeitsorganisation und der Weltbank zurück. Aus allen Faktoren errechnet die ManpowerGroup für jedes Land einen Indexwert.

 

USA und China deutlich flexibler als Deutschland

 

Über den diesjährigen CWI hat kürzlich exklusiv die WirtschaftsWoche berichtet. Das Fazit für Deutschland: Trotz Hartz-4-Reformen haben es Unternehmen in den meisten anderen Ländern leichter, flexible Arbeitszeitmodelle einzusetzen. Deutschland erreicht einen Indexwert von 1,87. Dies wird von anderen Ländern deutlich überboten, etwa von den USA (2,71) und China (2,70). Spitzenreiter ist Hongkong mit einem Wert von 2,75. Auch die meisten europäischen Länder erreichen einen höheren Wert als Deutschland. Zu den wenigen Ausnahmen zählt Frankreich (1,72).

 

Zwar verfügt Deutschland noch über relativ viele gut ausgebildete Fachkräfte. Doch die Entwicklung der Altersstruktur hin zu weniger Nachwuchs und mehr Personen im Rentenalter wirkt sich negativ aus. Eher positiv für Deutschlands CWI wirkt sich wiederum die relativ hohe Produktivität aus, wofür beispielsweise die Arbeitszeit, Urlaubs- und Feiertage berücksichtigt werden. Allerdings müssen Arbeitgeber in Hongkong im Schnitt weniger als die Hälfte des deutschen Lohns und weniger als ein Viertel der deutschen Steuern zahlen – die Kosten sind also der Hauptgrund für den relativ niedrigen Indexwert Deutschlands. Auch die eher strikten Regularien drücken auf Deutschlands CWI-Wert.  

 

Bleibt zu beobachten, wie sich der Fachkräftemangel auf die weitere Entwicklung weltweit und in Deutschland auswirkt. Arbeitgeber müssen – natürlich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben – sich für flexible Beschäftigungsmodelle öffnen, wenn ihnen schlicht Bewerber fehlen. Eine weitere staatliche Regulierung könnte deshalb dazu führen, dass der Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb abgehängt wird.

 

 

In Bewerbungsgesprächen sollten daher auch die Jobsuchenden ihre Vorstellungen selbstbewusst äußern. Denn Flexibilität ist von allen Beteiligten gefordert. Mit dem potenziellen Arbeitgeber sollten Bewerber offen die Möglichkeiten besprechen, wie sich das Arbeitsverhältnis gestalten lässt, sofern dies nicht im Vorfeld schon eindeutig festgelegt wurde.