Berufsbild Softwaretester

Bevor eine Software veröffentlich wird, muss diese professionell getestet werden. Andernfalls drohen ein hoher Folgeaufwand und verärgerte Nutzer. Ein professionelles Testing beinhaltet dabei weitaus mehr als das Durchklicken von Computerprogrammen oder das beiläufige Testen durch die Softwareentwickler selbst. Softwaretester ist daher ein eigenständiger Beruf,  für welchen es sogar eine internationale Zertifizierung gibt.

 

Was genau machen Softwaretester? Wie wird man zertifizierter Softwaretester und von welchem Gehalt kann man ausgehen? In der nachfolgenden Berufsbild-Analyse werden diese Fragen beantwortet.

 

 

Softwaretester: Was macht ein Softwaretester?

Die Einsatzzwecke für Software sind sehr vielfältig. Neben den klassischen Computeranwendungen für den Gebrauch Zuhause oder in der Arbeit, gibt es auch Apps für das Smartphone, für den Smart-TV oder für das Smart-Home. An der Entstehung und Veränderung von Software sind heutzutage bei größeren Projekten eine Vielzahl von verschiedenen Personen und Abteilungen beteiligt. Bevor eine Software auf den Markt kommt, ist eine detaillierte Überprüfung durch Softwaretester nötig, denn veröffentlichte Software, die noch Bugs (Programmfehler) beinhaltet, zieht den Unmut der Kunden auf sich. Darüber hinaus bedeuten Nachbesserungen durch Updates für die IT-Entwickler zusätzlichen Aufwand. Zudem rufen verbliebene Bugs beim Release-Termin nicht allzu selten ein negatives Echo in Foren und sozialen Netzwerken hervor.

 

Während der Softwareentstehungsprozess früher noch einem Wasserfallmodell glich, in welchem das Testen der Programme erst nach dem Ende der Softwareerstellung erfolgte, ist der gesamte Prozess heute viel dynamischer. In agilen Entwicklungsmethoden werden Phasen wie das Software Testing iterativ durchlaufen. Aber was genau ist dabei die Aufgabe eines Softwaretesters? Während der Softwareentwicklung gibt es zu verschiedenen Zeitpunkten auch verschiedene Arten des Testings und verschiedene Arten von Testern. Manche Entwicklerstudios akquirieren für sogenannte Beta-Tests auch Endanwender, um im Rahmen eines explorativen Testens (z.B. bei Computerspielen) auf verbliebene Bugs zu stoßen. An einem professionellen Testen zu einem früheren Zeitpunkt führt aber kein Weg vorbei. Ein professionelles Testen beinhaltet mehr als das Installieren und Durchklicken einer Software.

 

Softwaretester sind neben dem Testvorgang an sich auch für die gesamte Konzeption und Dokumentation der verschiedenen Testszenarien verantwortlich. Software-Testen ist komplex und nimmt bei professioneller Umsetzung einige Zeit in Anspruch, da Softwarelösungen heute auf vielen verschiedenen Endgeräten, Hardwarekomponenten und Betriebssystemen getestet werden müssen. Anforderungen an die Softwaretests werden in vielen Fällen bereits bei Projektbeginn in Zusammenarbeit mit dem Softwaretester in einem sogenannten Pflichtenheft festgelegt. Der Softwaretester begleitet den Softwareentwicklungsprozess somit von Beginn an.

 

Selbstverständlich überprüfen auch die Programmierer ihre eigene Software auf Fehler. Ab einer bestimmten Projektgröße macht es aber Sinn, eine zusätzliche Person oder ein ganzes Team als Tester zu engagieren. Größere Softwarelösungen bestehen meistens aus mehreren Modulen, deren Kompatibilität und Zusammenspiel getestet werden muss. Weiterhin fehlt Programmieren oft der objektive Blick auf ihre eigene Software. Fehler und Optimierungsmöglichkeiten bleiben so schnell unerkannt. Wie so häufig, sehen vier Augen einfach mehr als nur zwei. Und wie bereits erwähnt, ist das Testen größerer Softwarelösungen inklusive der dazugehörigen Projektarbeit sehr aufwendig. Den Programmierern fehlt also häufig schlicht die nötige Zeit, um die eigene Software ausführlich zu testen.

 

Softwaretester nehmen also den Part als Bindeglied zwischen den Programmierern und anderen Projektbeteiligten ein. Daher sollten Softwaretester neben einer sehr gründlichen Arbeitsweise und Ausdauer eine gute Kommunikationsfähigkeit mitbringen.

 

Für Softwaretester gibt es verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. Viele Softwaretester sind ganz traditionell in Software- oder IT-Firmen tätig. Denkbar sind aber auch Tätigkeiten in der IT-Beratung oder in IT-Abteilungen von größeren Firmen, welche z.B. Software oder Programmmodule für den Eigengebrauch entwickelt.

Testmanagement: Exploratives Testen und weitere Testarten

Was genau macht also ein Softwaretester während dem Testen, wenn es nicht nur das „Durchklicken“ ist?

 

 

Softwaretests können unterschiedlich ablaufen. Bei einem explorativen Test „erkundet“ der Softwaretester die Software und versucht so auf noch verbliebende Fehler zu stoßen. Dies kann sehr zeitaufwendig sein, da einige Schritte zum Teil mehrmals ausgeführt werden.  Strukturelle Tests orientieren sich an zuvor definierten Testfällen. In diesen ist genau geregelt, in welchen Schritten und auch mit welchen Eingabedaten die Software getestet werden soll. Die wichtigsten Softwarefunktionalitäten sollten durch verschiedene Testfälle abgedeckt sein.

Außerdem wird zwischen der sogenannten „White-Box“ und den „Black-Box-Testings“ unterschieden. „Black-Box-Test“ bedeutet, dass sich der Testvorgang auf die Überprüfung von bestimmten Funktionalitäten einer Software beschränkt.

 

„White-Box-Tests“ sind meistens umfangreicher und komplizierter, da der Softwaretester sich hier intensiv mit dem Quellcode des Programms beschäftigt und nach Fehlern sucht.

ISTQB Zertifizierung: Wie wird man ein zertifizierter Tester?

Wie wird man eigentlich Softwaretester? Wer auf Jobbörsen schon einmal nach Stellen für Softwaretester gesucht hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in den entsprechenden Stellenanzeigen auf die Abkürzung ISTQB gestoßen. Mittlerweile hat sich das international anerkannte Aus- und Weiterbildungsschema des ISTQB (International Software Testing Qualifications Board) etabliert, welches die Möglichkeit bietet, sich als Softwaretester zertifizieren zu lassen. Laut Angaben des ISTQB sind weltweit mittlerweile 385.000 Softwaretester ISTQB zertifiziert, davon alleine rund 40.000 in Deutschland.

 

In der Praxis tätige Softwaretester haben unterschiedliche berufliche Hintergründe. In dem Beruf sind neben Informatikern aber auch Mathematiker, Ingenieure oder Quereinsteiger aus nicht-technischen Bereichen tätig. Da Softwaretester z.B. beim „White-Box-Testing“ auch mit dem Programmcode in Berührung kommen, sind in vielen Testszenarien Programmierkenntnisse nötig. Viele Softwaretester haben daher zuvor ein informatiknahes Studium absolviert oder z.B. eine Ausbildung zum Fachinformatiker/in mit der Fachrichtung Anwendungsentwicklung oder als mathematisch technischer Softwareentwickler/in abgeschlossen.

 

Mit Hilfe der ISTQB Zertifizierung können Softwaretester ihre Qualifikation nicht nur Arbeitgebern nachweisen, sondern lernen auch die verschiedenen und aktuellen Rollen, Tools, Funktionen und Spezialisierungen des Testmanagements kennen. Unter anderem werden Softwaretester heute auch von Teststools unterstützt, welche automatisiert Tests ausführen. Das ISTQB Zertifikat kann bei verschiedenen Trainingsanbietern erworben werden.

German Testing Board: Prüfungen für Softwaretester

In Deutschland kann das Ausbildungsprogramm für die ISTQB-Zertifizierung bei verschiedenen Kursanbietern absolviert werden. Für die Überwachung der Ausbildungsstandards und die Zertifizierung der Trainingsanbieter ist das German Testing Board verantwortlich. In Österreich und der Schweiz nehmen das Austrian Testing Board bzw. das Swiss Testing Board diese Funktion ein. Die nationalen Gremien sind darüber hinaus für das Prüfwesen zuständig.

 

Auf der Webseite des German Testing Boards befindet sich auch eine Liste von allen aktuell zertifizierten Kursanbietern. Neben diesen privaten Trainingsanbietern haben viele Studenten auch die Möglichkeit einen ISTQB Lehrgang an ihrer Hochschule zu absolvieren. Das ISTQB-Zertifikat erleichtert den Berufseinstieg als Softwaretester ungemein. Eine Liste der zertifizierten Hochschulen ist ebenfalls auf der offiziellen Webseite des German Testing Boards vorhanden. Für interessierte Studenten stehen an den Hochschulen selbst z.B. im Career Center oder ähnlichen Einrichtungen Ansprechpartner für die entsprechenden Lehrgänge zur Verfügung.

Gehalt Softwaretester: Wie viel verdient ein Softwartester?

Im Durchschnitt verdienen Softwaretester zwischen 30.000 und 40.000 Euro pro Jahr brutto. Dabei existieren je nach Branche und Region große Unterschiede in der Bezahlung. Softwaretester verdienen in den alten Bundesländern im Durchschnitt ca. 30% mehr als in den neuen Bundesländern. Das Gehalt steigt mit zunehmender Betriebszugehörigkeit. Softwaretester, die in IT-Abteilungen in der Industrie tätig sind, verdienen aufgrund einer Tarifbindung des Arbeitgebers häufig mehr.

 

Aber nicht nur die äußeren Umstände entscheiden das Gehalt. Wie bereits erwähnt, ist Softwaretesting komplex und vielfältig. Je mehr Erfahrung ein Softwaretester im Testmanagement oder  mit verschiedenen Testingtools, Plattformen oder Programmiersprachen gesammelt hat, desto interessanter ist er für die Unternehmen. Die verschiedenen ISTQB-Zertifizierungen wirken sich in der Regel genauso positiv auf das Gehalt aus wie ein abgeschlossenes Studium. In der Spitze können Softwaretester in einzelnen Fällen somit auch 60.000 Euro brutto und mehr pro Jahr verdienen.